Wirtschaft : Die Gewerkschaft macht sich das Leben selbst schwer (Kommentar)

Rolf Obertreis

Wochenlang hat die IG Bau den Rücktritt des Holzmann-Aufsichtsratschefs Boehm-Bezing gefordert. Jetzt plötzlich ist es ihr auch wieder nicht recht, dass das Vorstandsmitglied der Deutschen Bank den Stab hinwirft und sich zurückzieht. Die Gewerkschaft macht sich das Leben selbst schwer. Dabei kann man trefflich darüber streiten, ob es gut oder schlecht ist, dass sich die Deutsche Bank zumindest personell aus der Verantwortung nimmt. Als Großaktionär und Großkreditgeber bestimmt sie ohnehin die Richtung, der Chefsessel oder auch ein einfacher Sitz im Aufsichtsrat ist dazu nicht zwingend nötig. Bisher aber war es so, und genau diese Machtballung hat man der Bank im Fall Holzmann lange vorgeworfen. Deshalb zieht die Bank jetzt die Konsequenz, so wie sie es schon bei anderen Unternehmen getan hat und noch tun will.

Die Sorge, die Bank würde sich bei Holzmann aus der Verantwortung stehlen, ist überzogen. Ihre Beteiligung und ihre Kredite tastet die Bank nicht an. Bei allen berechtigten Vorwürfen wegen mangelhafter Kontrolle des Aufsichtsrates: Ohne die Deutsche Bank wäre Holzmann längst pleite. Boehm-Bezing hat die anderen Kreditinstitute schließlich doch überzeugt, dem Baukonzern die Stange zu halten. Sein Rückzug eröffnet nun aber neue Chancen: Die Deutsche Bank kommt heraus aus dem Schussfeld der Kritik. Und bei Holzmann greift ein erfahrener Industriemanager ein. Der Baukonzern wird sich ohne die vermeintlichen Lasten Deutsche Bank und Boehm-Bezing stärker der sachlichen Bewältigung der Krise widmen können. Mit den Millionen des Geldhauses kann Holzmann weiter rechnen. Dies vor allem ist entscheidend, wenn der Karren aus dem Dreck gezogen werden soll.

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