Wirtschaft : Die Gewinne steigen, doch die Expansionspläne lassen sich nicht so zügig wie geplant umsetzen

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Mit seinen ehrgeizigen Akquisitionsplänen kommt der Münchner Nutzfahrzeughersteller MAN AG nur in kleinen Schritten voran. So stehe die vollständige Übernahme des größten polnischen Lkw-Produzenten Star zwar unmittelbar bevor, kündigte Nutzfahrzeug-Chef Klaus Schubert zur Bilanzvorlage in München an, mit einem der großen Mitbewerber führe der MAN-Teilkonzern derzeit aber keine konkreten Verhandlungen. Auch die Gespräche mit dem Daewoo-Konzern seien unterbrochen. Einen größeren Zusammenschluss, für den sich die Münchner finanziell gerüstet sehen, gebe es nur, wenn MAN dabei die unternehmerische Führung behalte, sagte Schubert.

Der noch für dieses Jahr angekündigte Erwerb von Star bedeutet für MAN keinen entscheidenden Sprung nach vorne. Die mit Verlusten arbeitenden Polen setzten zuletzt mit einer Jahresproduktion von gut 2000 Mittelklasse-Lkw 120 bis 150 Millionen Mark um und beschäftigen über 900 Mitarbeiter. Zusammen mit der bereits in Polen laufenden Omnibusproduktion soll mit Star das Osteuropageschäft verstärkt werden, sagte Schubert. Den Kaufpreis nannte er nicht. Die Börse reagierte auf die angekündigte Übernahme freundlich: 31,95 Euro notierte der Kassa-Kurs am Donnerstag für MAN-Aktien, gegenüber dem Schlusskurs des Vortages eine Verbesserung um 1,10 Euro. Angesichts sonst mäßiger Akquisitionschancen laute die MAN-Maxime für das nächste Jahrtausend "Kräfte aus der eigenen Substanz heraus entwickeln," sagte der Manager.

Die Belegschaft fährt damit gut. Im laufenden Geschäftsjahr 1999/2000 (zum 30. Juni) soll das Personal wie im Vorjahr erneut um rund 900 Stellen aufgestockt werden. Wie 1998/99 sollen die heimischen Standorte dabei mit einem Aufbau von gut 300 Arbeitsplätzen profitieren. Ende Juni beschäftigte MAN Nutzfahrzeuge im Teilkonzern über 29 000 Personen, davon knapp 21 000 Frauen und Männer in Deutschland.

Auch in der Bilanz ist die nach häufiger Analystenmeinung angeblich zu geringe Größe der Münchner nicht sichtbar. Nach einer Rekordrunde 1998/99 zeichnen sich in der laufenden Periode neue Spitzenwerte ab. Der Umsatz und die Auftragseingänge sollen erstmals auf jeweils über zehn Milliarden Mark klettern und das Ergebnis dabei gehalten werden, sagte Schubert. Auch die Omnibusproduktion in Salzgitter soll wieder die Gewinnzone erreichen.

Schon im Vorjahr wurden der Umsatz um neun Prozent und der Auftragseingang um zwei Prozent auf je knapp 9,7 Milliarden DM ausgebaut. Dabei wurde mit knapp 56 000 Lkw rund elf Prozent mehr produziert. Der Jahresüberschuss legte angesichts hoher Kapazitätsauslastung mit einem Plus von 45 Prozent weit stärker auf 264 Millionen Mark zu. Vor Steuern konnte die Umsatzrendite von 3,7 auf 4,7 Prozent verbessert werden.

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