Wirtschaft : „Die Gier der Monopolisten“

Alle schimpfen über die Energiekonzerne. Eon wehrt sich: Der Staat ist schuld

Alfons Frese

Berlin - Die jüngsten Ankündigungen von Strompreiserhöhungen haben auch noch am Dienstag für Empörung gesorgt. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos bekräftigte seinen Plan, das Kartellrecht zu verschärfen und auf diesem Wege die Preispolitik der Konzerne in den Griff zu kriegen. Der Energie-Abnehmerverband VEA sah die privaten Haushalte als „erste Opfer der unermesslichen Gier der Monopolisten im Energiesektor“. Dagegen meinte der Verband der energieintensiven Industrie, die Klimapolitik der Bundesregierung komme nun auch bei den Haushalten an. Mit der Einführung des CO2-Emissionshandels 2005 seien die Strompreise explodiert. Doch die Margen „der wenigen deutschen Stromproduzenten“ hätten sich ähnlich dynamisch entwickelt. „Ein zweistelliger Gewinnzuwachs in Milliardenhöhe innerhalb weniger Jahre führt Öffentlichkeit und Politik vor Augen, was möglich ist“, stöhnten die großen Stromverbraucher. Am Montag hatte Marktführer Eon angekündigt, die Preise für Strom und Gas um bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Eon-Chef Wulf Bernotat macht dafür vor allem den Staat verantwortlich. Es gebe „nur einen Preistreiber im deutschen Strommarkt: den Staat“. Der Preisanstieg seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 sei vollständig auf höhere Steuern und Abgaben, etwa für die Förderung erneuerbarer Energien, zurückzuführen. Ohne den Staatsanteil wären die Strompreise heute niedriger als vor neun Jahren, und das trotz steigender Kosten für Öl, Gas und Kohle.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) sagte dem Tagesspiegel, er habe „kein Verständnis für das Vorgehen von Eon“. Das Verhalten des Konzerns zeige, „dass der Markt immer noch nicht funktioniert“. Junghanns appellierte an die Kunden: „Machen Sie Druck! Vergleichen Sie die Preise und wechseln Sie – auch wenn es nur um geringe Unterschiede geht.“ Erst dann werde sich der Markt bewegen. Junghanns stellte sich an die Seite Bernotats, was die Kritik am Staat betrifft. Rund 40 Prozent des Strompreises seien Steuern und Abgaben. „Deshalb brauchen wir neben entschlossenen Schritten für einen funktionierenden Wettbewerb auch eine geringere Belastung der Energiepreise“, sagte Junghanns.

Nach Einschätzung des Energiemarktportals Verivox werden neben Eon noch rund 300 kleinere Versorger zu Beginn des nächsten Jahres die Preise erhöhen. Die Berliner Vattenfall Europe wird dazu nach eigenen Angaben nicht gehören. Vattenfall hatte zuletzt zum 1. Juli die Preise um durchschnittlich 6,5 Prozent angehoben und dadurch zehntausende Kunden verloren. Das Statistische Bundesamt teilte am Dienstag mit, dass die Strompreise im September um 7,4 Prozent über dem Niveau von vor einem Jahr lagen. Alfons Frese

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben