Wirtschaft : Die gläserne Pille

Die Pharmaindustrie entwickelt ein System gegen Medikamentenfälschung

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Die Viagra-Pille von Pfizer regt vor allem Fälscher an.Foto: p-a/dpa
Die Viagra-Pille von Pfizer regt vor allem Fälscher an.Foto: p-a/dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Die kleine blaue Pille des Pharmakonzerns Pfizer ist eine der meistgefälschten der Welt. Mit bloßem Auge ist oft nicht zu erkennen, dass das Potenzmittel Viagra nicht echt ist: Von der Seriennummer übers Logo bis hin zur Farbe der Tabletten ist meist alles wie beim Original. Manche der gefälschten Pillen wirken einfach nicht, im schlimmsten Fall aber schaden sie dem Körper durch giftige Inhaltsstoffe oder falsche Wirkstoffe.

Medikamentenfälschungen nehmen weltweit immer mehr zu. Von 2009 auf 2010 verdreifachte sich die Sicherstellung im Postverkehr. Allein 2010 wurden an den Außengrenzen der Europäischen Union 3,2 Millionen Packungen gefälschter Arzneimittel sichergestellt. Die Fälschungen gelangen entweder über illegale Internetversender ins Land oder werden bei der Einreise eingeschmuggelt. Manche schaffen es sogar in deutsche Apotheken und Krankenhäuser.

Die deutschen Pharmakonzerne, Großhändler und Apotheken entwickeln nun unter dem Namen „SecurPharm“ ein Sicherheitssystem, um die Patienten hierzulande besser gegen Arzneimittelfälschungen zu schützen. Das teilten die Branchenverbände am Donnerstag in Berlin mit. Ein fälschungssicherer Data-Matrix-Code, der heute zum Beispiel schon bei Flug- und Bahntickets verwendet wird, soll jede Medikamentenschachtel zu einem Unikat machen. Dafür sollen die Arzneimittelhersteller den Code der von ihnen produzierten Arzneimittel in einer zentralen Datenbank speichern. In der Apotheke wird der Code des Mittels vor dem Verkauf eingescannt. Wurde er schon einmal verwendet oder stimmt damit etwas nicht, warnt der Computer und das Mittel darf nicht verkauft werden.

Mit der Initiative reagiert die deutsche Industrie auf eine im Juli erlassene Richtlinie der EU, die die Bürger stärker gegen Medikamentenfälschungen schützen soll. Jedoch muss die Kommission noch einen technischen Standard festlegen, und dafür hat sie Zeit bis 2013. Ob der von der deutschen Industrie vorgeschlagene Data-Matrix-Code gewählt wird, ist offen. Bis 2017 soll das Sicherheitsystem in der EU eingeführt sein. Dafür müssen Apotheken und Industrie umrüsten. Die Kosten könne man noch nicht beziffern, hieß es bei den Branchenverbänden. Allerdings kann das System nur Fälschungen finden, die über den regulären Vertriebsweg in Apotheken oder Krankenhäusern landen. Das kann etwa dann passieren, wenn Importeure, die Ware aus anderen EU-Ländern kaufen und für den deutschen Markt neu verpacken, Fälschern aufsitzen. Solche Fälle sind in Europa aber selten. Deutschland gilt als besonders sicher: Zwischen 1996 und 2008 wurden nur 40 Fälle von Fälschungen in Apotheken oder Krankenhäusern gemeldet. Jahel Mielke

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