Wirtschaft : Die Greenback-Geldmaschine

US-Notenbankchef Ben Bernanke druckt weiterhin Dollar – das treibt die Rohstoffpreise und stellt Schwellenländer vor Probleme

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Berlin - Zwei Jahre sind eine lange Zeit, sogar für Notenbanker. Für Monate oder Konjunkturzyklen treffen sie üblicherweise ihre Entscheidungen. Nicht so dieses Mal: Bis Mitte 2013 werde man die Nullzinspolitik beibehalten, erklärten die zehn führenden Köpfe der US-Notenbank Federal Reserve am Dienstagabend. Mit dieser historisch einmaligen Festlegung lösten sie zwar die Spannungen an den Finanzmärkten etwas. Zugleich steckt dahinter eine schlechte Nachricht: Vorerst ist ein starker Aufschwung in den Vereinigten Staaten kein Thema, warnen die Währungshüter damit.

„Die Entscheidung ist außerordentlich aggressiv“, kommentierte Währungsexperte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank den Beschluss der Fed. „Sie zeigt, wie sehr die Fed sich um die US-Wirtschaft sorgt.“ Zugleich binde sich die Notenbank mit ihrem Versprechen für lange Zeit die Hände.

Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen waren unmittelbar nach der Fed-Entscheidung deutlich abgerutscht. Zweijährige Papiere verloren fast die Hälfte auf 0,16 Prozent. Zehnjährige Titel sanken sogar auf ein historisches Tief von bis zu 2,038 Prozent.

Nicht nur die Zinsen sollen niedrig bleiben, auch will Fed-Chef Ben Bernanke die Erträge fälliger Staatsanleihen in neue Papiere investieren, wie der Rat der Bank mitteilte. Dies bedeute, dass man dafür 600 Milliarden Dollar ausgeben wolle, befand Weidensteiner – so viel wie beim jüngsten Anleihen-Ankaufprogramm, das im Juni auslief. „Die Fed ist einen weiteren Schritt in Richtung einer expansiveren Geldpolitik gegangen“, sagte Patrick Franke von der Landesbank Hessen-Thüringen. Ein Ende der Nullzinspolitik sieht er nicht vor 2014 kommen – wenn die nächsten Präsidentschaftswahlen gelaufen sind. Franke sieht ein weiteres Problem – die Gefahr einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Rechnen Firmen und Bürger mit anhaltenden Niedrigzinsen, halten sie sich auch mit Käufen und Investitionen zurück – dann ließe der Aufschwung noch länger auf sich warten.

Bernanke setzt damit seine Politik fort, die Märkte mit Liquidität zu überschwemmen – in der Hoffnung, so die Konjunktur anzukurbeln. Japan hat in den neunziger Jahren eine ähnliche Strategie verfolgt, um seine Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, war damit allerdings weitgehend erfolglos. Zudem belastet Bernankes Taktik die Weltwirtschaft: Die vielen Dollars suchen Anlageziele. Investoren stecken das billige Geld entweder in Rohstoffe und treiben so die Preise. Oder sie legen das Kapital in Schwellenländern an – was deren Zinsen und Wechselkurse in die Höhe treibt und die Gefahr neuer Blasen und Übertreibungen fördert. Einen „Währungskrieg“ warf Brasiliens Finanzminister Guido Mantega den USA denn auch am Mittwoch vor. Und die Schweiz sah sich gezwungen, erneut an den Märkten einzugreifen, um den Franken nicht noch stärker aufwerten zu lassen.

Europa ist zwar von den Börsen-Turbulenzen ähnlich geschüttelt wie Amerika. Doch anders als die Fed blickt die Europäische Zentralbank (EZB) zuallererst auf die Preisstabilität. Im immer noch boomenden Deutschland wirkt das aktuelle Leitzinsniveau von 1,5 Prozent derzeit extrem expansiv. Im Juli sind die Verbraucherpreise in der Bundesrepublik daher bereits um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, bestätigte das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung. Das liegt über der EZB-Zielmarke von zwei Prozent. „Ich rechne eher mit einer weiteren Erhöhung der Zinsen im Oktober“, sagt Jörg Lüschow, Analyst der WestLB. „Es sei denn, die Kursturbulenzen belasten die Konjunktur in der nächsten Zeit wirklich nennenswert.“ Um die Finanzmärkte liquide zu halten, drehe die EZB nicht an der Zinsschraube, sondern stelle den Banken auf anderem Wege Liquidität zur Verfügung. „Das genügt“, befand Lüschow. Carsten Brönstrup 

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