Wirtschaft : Die größte Modemesse der Welt wird 50

DÜSSELDORF (AP). Die größte Modemesse der Welt feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag: nicht in Paris oder Rom, sondern in Düsseldorf. Die CPD - ein Abkürzung für Collections Premiere Düsseldorf - ist viel unbekannter als die prachtvollen Haute-Couture-Präsentationen in den Hauptstädten Frankreichs oder Italiens. Doch in Düsseldorf entscheidet sich, was der Kunde wirklich in den Läden kaufen kann.Über 2 200 Aussteller aus 42 Ländern werden vom 1. bis zum 4. August in den Düsseldorfer Messehallen 50 000 Fachbesuchern mehr als 6 500 Kollektionen zeigen. Die Zahlen belegen, hier geht es nicht nur um Klasse, sondern auch um Masse. In Düsseldorf versucht die Textilbranche auch in diesem Sommer wieder die Weichen zu stellen, damit die Flaute im Handel mit Kleidern und Blusen endlich ein Ende hat."Die Konsumenten halten sich zurück", klagte am Montag in Düsseldorf der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels, Siegfried Jacobs. Im ersten Halbjahr registrierte die Branche ein Umsatzminus von einem halben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei stagnierendem Markt liefern sich die Modeketten in Deutschland einen brutalen Verdrängungswettbewerb. International agierende Filialisten wie Hennes & Mauritz, Gap oder künftig auch Zara sichern sich immer größere Teile des deutschen Marktes. Immer mehr kleine und mittlere Modegeschäfte geben auf.Dabei ist die Krise nach Einschätzung von Manfred Kronen, dem Chef des CPD-Veranstalters Igedo, zum Teil auch hausgemacht. Die Mode habe gegenüber den 70er oder 80er Jahren an Bedeutung verloren, klagt er. Und daran seien die Händler Mitschuld, weil sie immer früher zum Rotstift griffen und die Ware verramschten.Doch ob diese Entwicklung ihren Höhepunkt bereits erreicht hat, darf bezweifelt werden. Schließlich sprechen neue Trends wie die immer stärker auf den Markt drängenden Factory Outlet Center, in denen Markenware zu Billigpreisen angeboten wird, oder der Internethandel eher für eine weitere Verschärfung des Preiskampfes.Doch das alles ist noch Zukunftsmusik. Jetzt hofft die Branche erst einmal, mit der neuen Kollektion für den Sommer 2000 den Trend wenden zu können und wirbt in Düsseldorf mit dem üblichen Wortgeklingel für die unterschiedlichsten Trends vom "Purismus mit Einflüssen fernöstlicher Meditation" über die Sportmode "mit informellem Charakter und raffiniert-weiblichem Chic" bis hin zum "multikulturellen Mix mit ins 21. Jahrhundert transponierter Hippie-Romantik".Sie lockt die Frivolen mit "Gucklöchern", die freien Durchblick auf die Haut erlauben und die praktisch Orientierten mit intelligenten Stoffen voller Anti-Ausstattung: antistress, -smog, -static, -allergic, -microbic, -bacterial, -moisture oder antiodor. Schon die Unterwäsche soll Körpergeruch und Bakterien bekämpfen. Ob das alles wirklich hilft, wird sich erst in einem guten halben Jahr zeigen, wenn die neue Kollektion auf den Markt kommt.

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