Wirtschaft : Die große Finanzwelt auf dem kleinen Computer-Bildschirm

FRANK WIEBE (HB)

Direktbanken bieten die ganze Palette der WertpapiergeschäfteVON FRANK WIEBE (HB)Manche mögen es ruhig: Einmal Wertpapiere kaufen und dann ganz lange liegen lassen.In diesem Fall spielt die Bankgebühr keine große Rolle.Andere mögen es aber heiß: immer dem besten Tip auf der Spur und schnell wieder raus.Dann lohnt der Konditionenvergleich.Manche nennen ihn Zocker, andere sprechen vom aufgeklärten Anleger.Gemeint ist der Kunde, der selbst weiß, welche Wertpapiere er kaufen möchte und deswegen auch nicht einsieht, daß die Bank jedesmal saftige Gebühren einstreicht.Viele Direktbanken und Billigbroker wurden vor allem mit Blick auf diesen Kundenkreis gegründet.Sie zeichnen sich durch relativ günstige Konditionen und meist ein umfangreiches Investmentfondsangebot aus.Es gibt aber auch andere Ansätze.Die Advance Bank zum Beispiel startete mit dem Ziel, den Kunden auch zu beraten - hier steht der niedrige Preis also nicht im Vordergrund.Wiederum andere, etwa Santander oder Girotel, gehen nur mit einem sehr eingeschränkten Angebot an den Markt: kein Wertpapiergeschäft, bei den Fonds eine kleine Palette unter eigenem Namen.Hier ist vor allem ein Kundenkreis angesprochen, der seine Entscheidungen zwar selbst trifft, aber dazu ein überschaubares Produktangebot benötigt: Die große Finanzwelt wird auf handliches Format reduziert.Für manchen Anleger sind auch Zwischenlösungen interessant.Die Bank 24 etwa hat ein breites Angebot ohne Beratung.Ihr "Fondsmarkt" aber, den der Kunde per Internet oder aber in Form einer Broschüre anschauen kann, enthält sehr ausführliche Informationen über die einzelnen Fonds, zum Teil auch farbige Klassifizierungen, die einen Anhaltspunkt geben, wozu ein Fonds geeignet ist.Wer sich da hindurch finden will, braucht allerdings Zeit und zumindest ein Grundwissen über Geldanlagen.Als Mischform läßt sich auch das Angebot der Allgemeinen Deutschen Direktbank bezeichnen.Sie bietet das Wertpapiergeschäft an, konzentriert sich im Fondsbereich aber auf eigene Produkte.Wer will, kann zwar auch fremde Fonds kaufen, muß dann aber auf den Ausgabepreis noch einmal 50 DM drauflegen und beim Verkauf weitere 0,9 Prozent bzw.50 DM als Minimum zahlen - das kann man wohl nur als Abwehrkondition bezeichnen.Auch viele der traditionellen Filialinstitute bieten inzwischen günstigere Wertpapierkonditionen, wenn der Kunde auf Beratung verzichtet.Allen voran ist hier die Dresdner Bank mit ihrem Order-Discount zu nennen, bei dem die Standard-Konditionen etwa halbiert sind.Dazu gibt es bei den meisten in Deutschland erhältlichen Fonds 25 Prozent Rabatt.Ein spezielles Telefonbank-Angebot hat auch die Vereinsbank.Zu nennen sind in diesem Zusammenhang zudem die Sparkassen, die zum Teil ebenfalls Sonderkonditionen bei Verzicht auf Beratung bieten.Manche Institute, etwa Citibank oder BfG Bank, bieten eine Mischung eigener Art: Relativ wenige Filialen und direkte Vertriebswege stehen nebeneinander.Auch für Wertpapiergeschäfte mit der Direktbank gilt häufig der Spruch: Im Dutzend wird es billiger.Bei vielen Instituten sind die Provisionssätze beim Verkauf nach Ordergröße gestaffelt.Die Direktanlagebank etwa berechnet bei Aktien unterhalb von 7000 DM 0,45 Prozent, darüber bis unter 15 000 DM 0,425 Prozent, bis unter 50 000 DM 0,4 Prozent - dann kommt ein Sprung herunter auf 0,275 Prozent und ab 100 000 DM ein weiterer auf 0,1 Prozent.Die Comdirect erreicht die billigste Stufe bei 150 000 DM.Bei der Bank 24 kostet es zwischen 100 000 und 250 000 DM 0,15 Prozent, danach geht es auf 0,1 Prozent.Wieder anders sieht es bei der Augsburger Aktienbank aus: Dort gilt bis 30 000 DM der höchste Satz von 0,5 Prozent, und der niedrigste von 0,1 Prozent wird erst bei 50 000 DM erreicht.Bei 750 000 DM ist dann eine Grenze: Mehr als 750 DM Spesen werden in keinem Fall berechnet.Wer sich mit seinen Orders häufig in dieser Größenordnung bewegt, hat aber vielleicht auch bei anderen Instituten Verhandlungsspielraum.Eine Staffelung nach Volumen gibt es teils auch bei der Depotverwaltung.Bei der Bank 24 richtet sich zudem der Discount beim Kauf von Investmentfonds nach der Ordergröße.Die weite Spanne von 5000 bis 50 000 DM wird dabei mit 50 Prozent Discount (also einer Halbierung des Ausgabeaufschlags) angeboten.Die klassische Verbindung zwischen Kunde und Direktbank ist das Telefon.Noch billiger sind sehr häufig die Konditionen für Online-Geschäfte, also die Abwicklung per Internet oder T-Online.Auch hier sind die Modalitäten sehr unterschiedlich.Bei der Direktanlagebank zum Beispiel wird die Kondition fürs Telefongeschäft bei Online-Kunden noch einmal halbiert; die Bank 24 setzt ihre Preisstaffel um etwa 30 Prozent herab und die Comdirect kürzt um 10 Prozent.Wer sein Depotgeschäft einer Direktbank anvertrauen möchte, sollte zunächst überlegen, wozu er sie benötigt.Die Spannbreite der Konditionen ist groß.Um die Gebühren zu optimieren, müßte festgestellt werden, wie groß die "typische" Order ist: Lege ich jedesmal gleich 100 000 DM an, oder sind es eher 10 000 DM? Nicht jeder, der billige Konditionen sucht, muß deswegen sein Depot gleich verlagern.Manchmal hilft auch der Hinweis bei der eigenen Bank auf die Bedingungen der Konkurrenten - jedenfalls so weit, daß die Freude an der gewachsenen Bankverbindung zum Bleiben drängt.Denn auch eine Filialbank hat ihre Vorteile: Gibt es Ärger, dann erreicht man schneller einen Menschen aus Fleisch und Blut.Außerdem möchte auch der selbständige Kunde irgendwann vielleicht doch Beratung.

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