Wirtschaft : Die große Verunsicherung (Kommentar)

Heike Jahberg

Man muss die Lebensversicherer nicht lieben. Es gibt lukrativere Arten, für sein Alter vorzusorgen. Die Vertreterprovisionen sind hoch, und wer seine Unterschrift unter einen Vertrag setzt, ist auf Jahre gebunden - ohne zu wissen, was wirklich mit dem Geld geschieht. Denn welcher Teil der Prämie auf die Vorsorge entfällt, wieviel die Gesellschaft am Kapitalmarkt anlegt und was die Verwaltung selbst verschlingt, bleibt dem Kunden verborgen. Kurzum: Es gibt gute Gründe, warum man auch ohne eine Lebensversicherung glücklich werden kann.

Dennoch ist der Plan des Bundesfinanzministers, die Erträge aus Lebensversicherungen zu besteuern, falsch. Wer will, dass die Bürger mehr private Vorsorge treffen, darf nicht die Steuerfreiheit der Versicherungen streichen, ohne Alternativen zu bieten. Solange die Regierung kein Gesamtkonzept vorlegen kann, wie sie künftig alle Formen der privaten Vorsorge steuerlich unter einen Hut bringen will, sollte sie die Hände von der Lebensversicherung lassen. Denn Handlungsbedarf besteht nicht. Da Altverträge ausgenommen bleiben, fließen die Steuern, die das Kabinett Ende dieses Monats beschließen will, frühestens in zwölf Jahren der Staatskasse zu. Für eine kurzfristige Konsolidierung der Haushalte taugt die Steuer also nicht.

Auch das Argument, die Versicherer würden steuerlich privilegiert, zieht nicht. Denn auch andere Vorsorgeformen können auf den Beistand des Fiskus rechnen. Selbst nach der Halbierung der Sparerfreibeträge im kommenden Jahr werden Verheiratete Kapitalerträge bis zu einem Höchstbetrag von 6000 DM steuerfrei einstreichen dürfen. Die Fondsgesellschaften, die den Versicherern bei der Altersvorsorge heftig Konkurrenz machen, brauchen den Löwenanteil ihrer Erträge - die Kursgewinne - nicht zu versteuern. Der Streit um das vermeintliche Steuerprivileg der Lebensversicherer ist daher unnötig, unsinnig und schädlich: Denn er verunsichert all diejenigen, die gerade erst erkannt haben, dass die gesetzliche Rente allein im Alter nicht reichen wird. Und das ist wirklich fatal.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben