Wirtschaft : Die großen Baukonzerne verdienen ihr Geld im Ausland

Bilfinger Berger und Hochtief rechnen mit Gewinnwachstum / Regionale Unternehmen kämpfen ums Überleben

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Düsseldorf (agr/HB). An den großen Baukonzernen geht die Baukrise in Deutschland scheinbar spurlos vorüber. Nach Branchenprimus Hochtief aus Essen hat jetzt auch Deutschlands Nummer zwei, die Mannheimer Bilfinger Berger, eine Ergebnisverbesserung in Aussicht gestellt. Im Sommer hatten bereits die Kölner Strabag und Walter Bau aus München ein besseres Ergebnis angekündigt. Das Erfolgsgeheimnis: Die Großen der Branche verdienen ihr Geld überwiegend im Ausland.

Hochtief beispielsweise erzielt 84 Prozent seiner Bauleistung im Ausland. Bilfinger BergerChef Herbert Bodner kündigte jetzt an, dass der Konzern den Anteil des deutschen Baugeschäfts von weniger als einem Drittel auf mittelfristig unter ein Viertel reduzieren will. Er begründete dies mit der rückläufigen Baukonjunktur in Deutschland und den schlechten Aussichten: „Die jüngsten Gesetzesinitiativen lassen zusätzliche negative Impulse und erhebliche Mehrbelastungen erwarten."

Während die großen Konzerne regionale Konjunkturschwankungen relativ gut wegstecken, könne sich der zumeist regional tätige Bau-Mittelstand der Baukrise kaum entziehen, sagte dagegen Heiko Stiepelmann, Geschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB). Die Baukrise habe sich im Herbst zugespitzt. Die deutsche Bauwirtschaft erlebe ihr siebtes Krisenjahr. „Der bauhauptgewerbliche Umsatz wird 2002 noch einmal um mindestens sechs Prozent zurückgehen", sagte Stiepelmann. Der Umsatz liegt damit um 26 Prozent unter dem Niveau des Jahres 1995. Die ohnehin mageren Erträge des deutschen Baugewerbes seien stark unter Druck geraten. Immer mehr Unternehmen schrieben Verluste. Stiepelmann: „Die Unternehmen verfügen kaum noch über Eigenmittel, um nach der langen Rezessionsphase wieder Investitionen zu finanzieren, zumal auch die Banken bei der Kreditvergabe auf einen restriktiven Kurs eingeschwenkt sind."

Die Bauindustrie erwartet 2003 ein weiteres Krisenjahr. Die Insolvenzwelle werde sich durch die Sparbeschlüsse der Bundesregierung noch beschleunigen, sagte Stiepelmann. Der Verlust von bis zu 120 000 Arbeitsplätzen drohe. Allerdings werde die negative Entwicklung durch öffentliche Programme zur Beseitigung der Flutschäden gemildert. Gerechnet wird daher mit einem Umsatzminus von 1,5 bis 2,5 Prozent.

Bilfinger Berger-Chef Bodner rechnet 2003 mit einer Steigerung der Bauleistung im Konzern auf über fünf Milliarden Euro. Er begründete dies neben dem Auslandsgeschäft vor allem mit dem Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts. 2003 erwartet Bodner allein in der Service-Sparte bei einer Leistung von 1,1 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis (Ebita) von 40 Millionen Euro.

Analysten werteten es als positiv, dass Bilfinger Berger die Prognose für 2002 bestätigte. Danach will der Konzern die Bauleistung auf 4,9 (4,6) Milliarden Euro und das Konzernergebnis auf 60 (52) Millionen Euro steigern. Dabei ist ein außerordentlicher Ertrag aus dem Verkauf der Beteiligung an der Dresdner Bank von 161 Millionen Euro noch nicht berücksichtigt. Über die Verwendung sei noch nicht entschieden, sagte Bodner. Nutznießer könnten sowohl die Aktionäre über eine höhere Dividende als auch das Unternehmen durch weitere Akquisitionen oder eine verbesserte Vorsorge sein.

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