Die großen Versorger hadern mit der Energiewende : Vattenfall-Chef schmeißt hin - mitten in der Krise

Øystein Løseth geht von Bord, die Zahlen werden schlechter. Auch RWE und Eon machen die Umwälzungen auf dem Markt zu schaffen - sie fordern von der Regierung einen Kurswechsel

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Schornsteine eines Vattenfall-Kraftwerks stoßen weißen Rauch aus.
Geschwächt. Vattenfall kämpft mit den Folgen der deutschen Energiewende.Foto: dpa

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall bekommt einen neuen Chef. Øystein Løseth, seit 2010 an der Spitze, werde seinen Vertrag nicht verlängern, teilte der schwedische Staatskonzern am Dienstag mit. Dazu habe er sich „aus persönlichen Gründen“ entschlossen, erklärte Løseth. Bis März 2015, wenn sein Kontrakt ausläuft, wolle er aber im Amt bleiben. Die Suche nach einem Nachfolger habe begonnen, teilte Vattenfall mit.

Mit der eingetrübten Geschäftsentwicklung habe Løseths Demission aber nichts zu tun, hieß es im Konzern. Vielmehr spiele die jahrelange Trennung von seiner Familie eine Rolle, die in Oslo lebt. Løseth war zunächst Chef des niederländischen Energiekonzerns Nuon und rückte nach der Übernahme durch Vattenfall an die Spitze des schwedischen Konzerns. Ob auch Deutschland-Chef Tuomo Hatakka Chancen auf die Nachfolge habe, ließ ein Vattenfall-Sprecher offen. Das sei Sache des Verwaltungsrats in Stockholm.

Oystein Loseth
Oystein Loseth wird maximal bis Frühjahr 2015 an der Spitze des schwedischen Staatskonzerns stehen.Foto: dpa

Vattenfall steht wie seine Konkurrenten RWE und Eon wegen der anhaltend niedrigen Großhandelspreise in Deutschland unter Druck. Das zeigen auch die Zahlen zum dritten Quartal. Das operative Ergebnis war 10,6 Prozent niedriger als vor einem Jahr und lag bei knapp 4 Milliarden Kronen (457 Millionen Euro), wie das Unternehmen in Stockholm mitteilte. Unterm Strich blieben davon 1,53 Milliarden Kronen (170 Millionen Euro) Überschuss. Vor allem höhere Kosten für Verschmutzungsrechte, die zum Ausstoß von Kohlendioxid nötig sind, drückten den Gewinn. Die recht stabile Lage in Skandinavien trug dazu bei, dass der Umsatz im dritten Quartal um knapp zehn Prozent auf umgerechnet 4,2 Milliarden Euro stieg.

Vattenfall ist bereits um drastische Kostensenkungen bemüht. In Deutschland baut der Konzern 2013 und 2014 rund 1500 Arbeitsplätze ab, vorwiegend über Altersteilzeit-Regelungen und Abfindungen. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte ein Sprecher. In den vergangenen Monaten musste Vattenfall 500 Millionen Euro auf Kohlemeiler abschreiben.

Weiteres Ungemach könnte die Volksabstimmung am Sonntag über das Berliner Stromnetz bringen. Es bringt dem Konzern bislang rund 50 Millionen Euro Gewinn pro Jahr. Doch auch im Fall einer Niederlage wolle man sich nicht aus Deutschland zurückziehen, versicherte ein Vattenfall-Sprecher. „Wir kämpfen bis zur letzten Minute. Aber egal wie das Ergebnis ausfällt, ein Rückzug kommt für uns nicht in Betracht.“

Auch RWE und Eon haben mit den Folgen der Energiewende zu kämpfen. „Unser Ergebnis wird dramatisch sinken“, sagte RWE-Chef Peter Terium der „Süddeutschen Zeitung“. Ein neues Sparprogramm für die 70 000 Menschen sei daher nötig. Dabei will Terium vor allem Kosten senken, Investitionen zurückfahren und auf neuen Geschäftsfeldern die Gewinneinbußen abfedern. „Unser Geschäft wird dezentraler“, sagte er. Bislang kam RWE auf einen Jahresumsatz von 50 Milliarden Euro.

Zugleich warnte Terium vor möglichen Stromausfällen, weil im Zuge der Energiewende immer mehr Gas- und Kohlekraftwerke abgeschaltet werden – sie rechnen sich für die großen Versorger nicht mehr. „Der ganze Kontinent manövriert sich auf längere Sicht in eine kritische Lage“, warnte er. Die konventionellen Meiler sind aber nötig, um die Grundlast bei der Stromversorgung auch an solchen Tagen zu gewährleisten, an denen Wind und Sonne keine Energie liefern. Bei der Bundesnetzagentur liegen derzeit Anträge zur Schließung von 28 Kraftwerksblöcken mit insgesamt knapp 7000 Megawatt vor.

Am Wochenende hatte bereits Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen Kritik an der Energiewende geübt. „Das ganze System vibriert schon“, hatte er der „Frankfurter Allgemeinen“ gesagt und Änderungen an der Förderung von Ökostrom verlangt. In den nächsten fünf bis zehn Jahren werde der Strompreis weiter steigen, prognostizierte er. Das Ansinnen der Konzernlenker von Eon und RWE dürfte allerdings auch sein, Druck auf die Koalitionsverhandlungen auszuüben. Am Donnerstag sprechen Union und SPD erstmals über dieses Thema.

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