Wirtschaft : Die Haffa-Story als Trauerspiel

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Von Henrik Mortsiefer

Der Auftakt im Strafprozess gegen die ehemaligen Vorstände von EM.TV, Thomas und Florian Haffa, markiert den vorläufigen Höhepunkt in einem Drama um Geld, Gier und geplatzte Träumen. Die HaffaStory sollte eine Erfolgsgeschichte werden: Ein Mittelständler schafft den Weg an die Spitze des Entertainment-Geschäfts und macht sich und seine Aktionäre reich. Daraus wurde nichts. Geblieben sind falsche Versprechungen und überzogene Erwartungen.

Das erste falsche Versprechen gab Thomas Haffa: Mit seiner großspurigen Vision, ein deutscher Disney werden zu wollen, überredete er die Banken, ihn am Kapitalmarkt salonfähig zum machen. In ihrer geschäftstüchtigen Begeisterung glaubten die Banker Haffa und brachten EM.TV an die Börse. Das zweite falsche Versprechen: Die Emissionsbanken adelten Haffas Größenwahn und weckten bei unerfahrenen Anlegern die Hoffnung, EM.TV-Aktien seien eine sichere Geldanlage. Bei einigen wenigen Aktiensparern, die Kursgewinne von 1000 Prozent einstrichen, ging die Rechnung auf. Die Masse wurde über den Tisch gezogen.

Den Nachweis, dass die Haffas vorsätzlich logen, müssen die Anwälte, Staatsanwälte und Richter erbringen. Doch die Rechtslage ist verwirrend und die Anspruchsgrundlagen für Schadenersatz dürftig. Das wissen die Anlegeranwälte, die Tausende EM.TV-Aktionäre zu einer Klage bewogen haben – mit ungewissem Ausgang und für gutes Honorar. Ein drittes falsches Versprechen: Wer Schadenersatz in Aussicht stellt, der nach der aktuellen Rechtslage nicht zu erwarten ist, weckt überzogene Erwartungen. Gefordert ist der Gesetzgeber. Er sollte das Aktiengesetz verschärfen und Fahrlässigkeit strafbar machen. Und er sollte betrügerische Vorstände persönlich in die Pflicht nehmen. Die Haffas träfe dies alles nicht mehr. Ihre Story wird für viele Anleger als Trauerspiel enden.

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