Wirtschaft : Die Handelsüberwachung wirft ein kritisches Auge auf die Geschäfte an der Berliner Börse

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Die Börsen haben in den vergangenen Jahren eine beispiellosen Boom erlebt. Wer bei Neuemissionen Aktien zugeteilt bekam, konnte sich in der Regel über satte Zeichnungsgewinne freuen, aber auch bei Investitionen in Werte, die beispielsweise bereits am Neuen Markt oder im Berliner Freiverkehr notiert wurden, konnten gute Kursgewinne gutgeschrieben werden.

In Zeiten schwankender oder aber rückläufiger Börsenkurse sieht mancher Anleger sein Engagement nun kritischer, vereinzelt macht sich Katzenjammer breit und die Beschwerden häufen sich. Die Berliner Börse hat unter der Telefonnummer 0180 / 1 887 777 eine Info-Line eingerichtet, die Fragen beantwortet, Anregungen aufnimmt und sich um Beschwerden kümmert. Manches Mal wird der Anrufer dann an die Handelsüberwachung durchgestellt. Zwischen 20 und 30 Anrufe von Anlegern gehen täglich bei der Handelsüberwachung am Börsensitz in der Fasanenstraße ein.

Die "Stelle" wurde vor sechs Jahren gegründet, auch in Reaktion auf die zunehmende Kritik an den Handelspraktiken an den deutschen Börsen. "Wir gelten als die Börsenpolizei", sagt der Leiter, Karl Schwarzhaupt. Inzwischen können sich die drei Mitarbeiter über Aufgaben nicht beklagen. Da sind zunächst einmal jeden Tag zwei bis drei Stunden Aufgaben zu erledigen, denen Schwarzhaupt zwar das Prädikat "Routine" verleiht, die aber durchaus brisant sein können. Die drei Überwacher kontrollieren die Kursentwicklung des Vortages. Hat es in einzelnen Werten besonders große oder kleine Umsätze gegeben, ist es zu besonderen Kursabweichungen etwa nach Ad-Hoc-Mitteilungen gekommen? Sind starke Preisdifferenzierungen festzustellen? "Es gibt auch Fälle, in denen der Preis auf unseren Druck hin korrigiert wurde", sagt Schwarzhaupt. Im täglichen Geschäft kümmert sich die "Truppe" um Fehler, die auch die Makler einmal machen können. Da wird im elektronischen Orderbuch das Komma falsch gesetzt, und aus einem Kurs von 42 werden 4,20 Euro. Diese Fehler werden sofort korrigiert, aber die Handelsüberwacher prüfen zunächst, ob es wirklich ein Fehler war, eine Korrektur also berechtigt ist.

Schwarzhaupt gibt auch gleich eine Warnung in Richtung Day Trader: "Wir können jederzeit jeden Kurs bis zum Beginn des nächsten Handelstages korrigieren", sagt er. Auch Investoren, die ihre Kurse nur über Internet sehen und in Minutentakt kaufen und verkaufen, sollten deshalb zumindest die Plausibilität der Entwicklung hinterfragen.

Auch bei besonders kniffligen Kursfragen sind sie gefordert. Etwa wenn die Kaufaufträge die Verkaufsaufträge bei weitem übersteigen. Werden nur Kleinorders bedient, lautet dann beispielsweise die Frage? "Bisher", so ist sich Schwarzhaupt sicher, "haben wir auch solche Probleme gelöst".

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