Wirtschaft : Die "Hausaufgaben" wurden nicht gemacht - Experte kritisiert die Industrie

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Der Transrapid ist nach Ansicht des Verkehrsexperten Werner Rothengatter in seiner "gegenwärtigen Form" zum Scheitern verurteilt. Die Industrie müsse noch "Hausaufgaben machen", kritisierte der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesverkehrsministerium gestern gegenüber der Nachrichtenagentur ADN in Karlsruhe. Bislang sei der Fahrweg viel zu teuer. Dies führte unter anderem zu den Kostensteigerungen der Verbindung Berlin-Hamburg. Der Fahrweg besteht entweder aus Betonbalken oder aus Stahlträgern. Besonders aufwendig sind die Weichen.

Deshalb müsse die technische Entwicklung vorangetrieben werden. Rothengatter fordert außerdem, ein künftiges Transrapid-Konzept so auszurichten, dass Anlagen des Bahnverkehrs genutzt werden können. Dadurch ließen sich große Einsparungen erzielen. Ein solcher so genannter bi-valenter Fahrweg, auf dem die Magnetschnellbahn und herkömmliche Züge verkehren können, war bereits getestet worden. Die Entwicklung wurde aber nicht weiter verfolgt.

Ein Aus für die Teststrecke Berlin-Hamburg bedeute nicht das Ende der Transrapid-Technik, ergänzte Rothengatter. Eine unwirtschaftliche Strecke hätte "die Tür für eine weltweite Vermarktung des Transrapid ohnehin nicht geöffnet". Falls die Referenzstrecke Berlin-Hamburg endgültig ad acta gelegte werde, nimmt Rothengatter an, dass das Transrapid-Konsortium zerfällt. Industrie und Bund würden sich aber voraussichtlich auf eine kleinere Teststrecke einigen.

Rothengatter befürwortet eine kurze Verbindung für weitere Tests. Geeignet seien Verbindungen zwischen den Flughäfen Düsseldorf und Köln oder zwischen Berlin und dem Flughafen Schönefeld (siehe aber oben). Eine solche Lösung könne auch von einem neuen Konsortium realisiert werden, dem die Bahn nicht mehr angehören müsse. Eine kurze und billigere Teststrecke könne mit staatlichen Mitteln finanziert und von einem privaten Investor betrieben werden.

Rothengatter plädiert außerdem für einen internationalen Partner. Dies erleichtere die weitere Vermarktung des Transrapid-Projekts. Trotz der derzeitigen politischen Debatte bleibt die Transrapid-Technik nach Auffassung Rothengatters attraktiv. Ernsthafte Konkurrenz gebe es derzeit nur in Japan. Die japanische Technologie sei allerdings noch wesentlich teurer als die deutsche. Sie hat aber den Vorteil, dass der Fahrweg bei einem Scheitern des Projekts für den herkömmlichen Schienenverkehr weiter genutzt werden könnte.

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