Wirtschaft : Die Hebelwirkung der Optionsscheine lockt

UDO RETTBERG (HB)

Optionsscheine - in der Fachsprache als "Warrants" bezeichnet - zählen im Repertoire so mancher Börsianer bereits zum Anlage-Standard.Günstige Gebühren der Direktbanken haben einen regelrechten Optionsschein-Boom ausgelöst."Das Interesse der Anleger an Warrants ist nach wie vor riesig", berichtet Christa Mägerlein, Optionsschein-Expertin bei der Société Générale, eines der auf dem deutschen Markt führenden Emissionshäuser.

Anleger können über den Einsatz von Warrants aufgrund ihrer Hebelwirkung mit nur geringem Einsatz überdurchschnittliche Gewinne erzielen.Freilich droht auch der Totalverlust.Wegen des spekulativen Charakters von Optionsscheinen werden diese Geschäfte von einigen Direktbanken - wie etwa der Advance Bank - zwar angeboten, aber nicht aktiv vermarktet."Der Schwerpunkt unserer Vermögensberatung liegt auf dem Fondsgeschäft", so die Advance Bank.Ein wesentlicher Grund ist die hohe Grundgebühr von 100 DM, die Kunden bei dieser Direktbank für Optionsschein-Geschäfte zu zahlen haben.

Als Voraussetzung für die Abwicklung von Optionsschein-Aufträgen verlangen alle Direktbanken in der Bundesrepublik einen Nachweis der Börsengeschäftsfähigkeit des jeweiligen Anlegers.Es muß klar zu erkennen sein, daß der Anleger die Risiken im Optionsschein-Geschäft realistisch einzuschätzen vermag und ausreichend Erfahrung im Umgang mit Warrants besitzt.Aufgrund des hochspekulativen Charakters von Warrant-Transaktionen verlangen die meisten Direktbanken in Deutschland darüber hinaus auch eine Deckung des bestehenden Kundenkontos."Ein Kauf auf Kredit ist dann möglich, wenn wir als Sicherheit ein ausreichendes Depotvolumen zur Verpfändung haben", sagt Karl Matthäus Schmidt, Geschäftsführer von Consors Discount Broker in Nürnberg.Für den an Optionsscheinen interessierten Anleger ist es von nicht unerheblicher Bedeutung, nicht nur während der offiziellen Börsenzeiten, sondern auch außerbörslich eine rasche und zuverlässige Ausführung seiner Aufträge gewährleistet zu bekommen.Nur etwa die Hälfte der in Deutschland vertretenen Direktbanken bietet Anlegern mit einer gewissen Vorkenntnis bis weit in die Abendstunden hinein Dienstleistungen auf diesem speziellen Gebiet zu verhältnismäßig günstigen Konditionen an.

"Unsere Kunden können über uns so lange Optionsschein-Aufträge abwickeln, wie die Emittenten am Markt entsprechende Preise stellen", sagt ein Sprecher von Fimat, der Direktbanken-Tochter der Société Générale.Das Geschäft hierzulande ende in der Regel um 22.00 Uhr.

Die Telefonbanking-Tochter der Citibank bietet ihren Kunden die entsprechenden Dienstleistungen - inklusive einer speziellen Beratung - über sieben Tage hinweg rund um die Uhr.Bei außerbörslich getätigten Warrant-Geschäften verlangen die Direktbanken eine Mindestauftragsgröße, Consors und Fimat zum Beispiel etwa 10 000 DM.

Obwohl diese derivativen Finanzinstrumente von Investoren sowohl zu Spekulations- als auch zu Kurssicherungzwecken eingesetzt werden können, ist das Interesse der Anleger an Baisse-Engagements durch den Erwerb von Put-Warrants erfahrungsgemäß ausgesprochen gering."Der Kauf von Call-Warrants dürfte rund 90 Prozent des Optionsschein-Geschäfts in Deutschland ausmachen", so die Schätzung von Christa Mägerlein von der Société Générale.Ihr Haus emittiere grundsätzlich nur Call-Warrants.

Direktbanken nutzen für ihr Geschäft auch im Optionsschein-Handel die Möglichkeiten der modernen Telekommunikation."Kunden können sowohl über T-Online, Internet und Telefon als auch per Fax ordern", so Consors-Chef Schmidt.

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