Wirtschaft : Die Heimat Berlin noch nie verlassen

Der Euro hat für ihn eine besondere Bedeutung: Stephan von Schmude ist Geschäftsführer der AGw Allgemeine Geldwechsel GmbH & Co.KG Wechselstuben Berlin.Das Unternehmen wurde von seinem Vater gegründet und feierte im vergangenen Jahr sein 25jähriges Jubiläum.Heute beschäftigt von Schmude zehn Mitarbeiter, geöffnet ist montags bis freitags zwölf Stunden lang, sonnabends sechs Stunden.

Von Schmude wurde 1964 in Berlin geboren, ist an der Spree aufgewachsen, hier zur Schule gegangen und hat die Stadt nie für längere Zeit verlassen.Als Schüler habe er sich sehr für Computer und Elektronik interessiert."Damals habe ich mir meine Computerprogramme selber geschrieben", erzählt er stolz.Doch für ihn war immer klar, daß er in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte.So hat er 1981 eine Lehre als Bankkaufmann angefangen.Zum Teil wurde er von seinem Vater in den Wechselstuben ausgebildet.Die Bankbereiche, die es in den Wechselstuben nicht gibt, hat er bei der Grundkreditbank kennengelernt.Nach und nach zog sich sein Vater aus dem aktiven Geschäft zurück.

Der Service, den die beiden Geschäftsstellen in der Joachimstaler Straße anbieten, ist beit gefächert.Kern ist der An- und Verkauf von ausländischen Währungen.Ständig sind Scheine aus rund 80 Ländern vorrätig.Daneben werden Gold-, Platin- und Silberbarren verkauft, außerdem Sammlermünzen."Der Vorteil unseres Unternehmens im Vergleich zu den Banken liegt in der großen Anzahl der gehandelten Sorten, die auch in größeren Mengen ge- und verkauft werden", sagt von Schmude.Noch geschieht dies gebührenfrei.Doch wenn vom 1.Januar an feste Wechselkurse zwischen den Teilnehmerländern an der Europäischen Währungsunion festgelegt sind und damit an den Spannen zwischen An- und Verkauf nichts mehr zu verdienen ist, werden die Wechselstuben - ebenso wie andere Geldinstitute - Gebühren für den Tausch verlangen.

Und wie lassen sich Geschäfte machen, wenn von 2002 an Euromünzen und -scheine eingeführt werden? "Dann gibt es ja immer noch die Währungen der Länder, die nicht im Euro vertreten sind, den US-Dollar und die übrigen wichtigen Weltwährungen", sagt von Schmude.Doch er schaut sich bereits nach neuen Geschäftsfeldern um.Jüngster Service ist der weltweite, minutenschnelle Geldtransfer.In der Regel ist das Geld innerhalb von zehn Minuten für den Empfänger verfügbar.Bisher gibt es in dem MoneyGram genannten Netz bereits 23 000 Agenturen in über 100 Ländern.

Auch in seiner Freizeit läßt von Schmude das Geld nicht los.Er sammelt alte Scheine und Münzen.In den Sommermonaten kann er es mit der Zeit allerdings nicht immer so genau nehmen, dann sind die umsatzstärksten Monate.Nicht nur Touristen wollen dann D-Mark kaufen, auch Berliner füllen ihre Reisekasse auf."Und wenn es beim Dollar kräftigere Bewegungen gibt, kommt die Kundschaft und will kaufen oder verkaufen", sagt von Schmude.

Was denkt jemand, der sein Geschäft in der westlichen City und viel mit Touristen zu tun hat, über Berlin? Von Schmude äußert sich ein wenig befangen, aber für ihn ist "Berlin der Brennpunkt heute mehr denn je".Doch er gibt auch zu: "Gegenüber New York oder London haben wir Nachholbedarf."

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