Wirtschaft : Die heiße Phase im Tarifpoker hat begonnen

BERLIN (alf).Der stellvertretende IG Metall-Vorsitzende Jürgen Peters hat am Freitag eingeräumt, daß ein Streik "nicht in die Landschaft paßt".Gegenüber dem Tagesspiegel sagte Peters, "wir wollen keinen Streik, aber die Arbeitgeber zwingen uns dazu".Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall habe mit der Forderung nach ertragsabhängigen Taribestandteilen "eine ganz einfache Tarifrunde verkompliziert" und eine Verschärfung des Tarifkonflikts provoziert.Nach Ablauf der Friedenspflicht begannen in der Nacht zum Freitag die Warnstreiks.

Nach Angaben der IG Metall haben rund 200 000 Arbeitnehmer am Freitag die Arbeit unterbrochen.Bei DaimlerChrysler in Sindelfingen sowie bei BMW in Dingolfing und München sollen jeweils mehr als 15 000 Arbeitnehmer die Produktion zeitweise lahmgelegt haben.Insgesamt sei es bis Freitag nachmittag in 652 Betrieben in 13 Bundesländern zu Arbeitsniederlegungen gekommen.IG Metall-Vize Peters sprach von einer "hevorragenden Beteiligung".Dagegen kritisierte Gesamtmetall-Präsident Werner Stumpfe, die Streiks würden einen vernünftigen Abschluß erschweren.Die IG Metall verlangt für die bundesweit 3,5 Millionen Metaller 6,5 Prozent mehr Einkommen.Die Arbeitgeber bieten bislang zwei Prozent mehr Geld sowie eine ertragsabhängige Einmalzahlung von 0,5 Prozent des Jahresgehalts an.Voraussichtlich werden die Arbeitgeber am Mittwoch in den nächsten Gesprächen in Baden-Würtemberg ein neues Angebot vorlegen.Dieses Strategie verurteilte Peters scharf: Das Angebot erst am Mittwoch vorzulegen sei eine "Unverschämtheit", da bereits am Montag und Dienstag in anderen Tarifbezirken Verhandlungen verabredet seien."Unsere Leute fühlen sich hinter die Fichte geführt", klagte der Gewerkschafter.Wenn erst am 3.Februar ein neues Angebot komme, werde die IG Metall bis dahin die Warnstreiks ausweiten.Am kommenden Montag sollen in Berlin die ersten Betriebe bestreikt werden.

Peters bekräftigte die Ablehnung eines differenzierten Tarifabschlusses.Der unterschiedlichen Ertragslage der Unternehmen habe die IG Metall bereis mit ihrer 6,5-Prozent-Forderung entsprochen; ursprünglich seien in Gewerkschaftskreisen bis zu zwölf Prozent diskutiert worden.Mit einer ertragsabhängigen Einmalzahlung strebe Gesamtmetall ein "Umsteuern in der Tarifpolitik" an.Dabei könne jedes Unternehmen mit mehreren Betrieben über die Ausgestaltung der "Liefer- und Leistungsbeziehungen" die Ertragslage nach Belieben steuern.Ferner seien Betriebsräte kaum in der Lage, die Gewinnsituation zu überprüfen.Und schließlich "haben die Leute einen Anspruch darauf, zu wissen, was sie für ein Einkommen haben werden", sagte Peters.Die schwächere Konjunktur werde nicht ins Kalkül der IG Metall einfließen.In den Unternehmen habe es zuletzt eine "Gewinnexplosion um bis zu 200 Prozent" gegeben.Manche hätten die "Kriegskasse so voll, daß sie übermütig werden und andere Firmen zu Mondpreisen kaufen".Wenn tatsächlich ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerate, "haben wir uns nie gesträubt, sanierungsbegleitende Maßnahmen zu machen", sagte Peters.

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