Wirtschaft : Die Hilfsaktionen für Asien gehen zu Lasten der Armen

SEOUL (egl/HB). Wenn sich globale Krisenmanager unter Hinweis auf den Erfolg ihrer Feuerwehraktionen für Länder wie Thailand, Südkorea oder Indonesien auf die Schulter klopfen, darf die Kehrseite dieser Rettungsoperationen nicht übersehen werden. So wird in diesen Tagen den Geberländern der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) eine gesalzene Rechnung präsentiert. Auch Bonn soll mithelfen, die Lücken zu stopfen, welche die Krisenhilfe für aufstrebende asiatische Volkswirtschaften in den Kapitalkonten der "Bank der Asiaten" aufgerissen hat. Daß die kostspieligen Stützungspakete zu Lasten der Armen in Asien gehen, wurde in diesen Tagen beim Besuch des Präsidenten der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), Tadeo Chino, in Europa deutlich. Chino machte als neuer Präsident der mit Sitz in Manila operierenden Entwicklungsbank auch in Bonn Station.Seine Botschaft: Die insbesondere von den USA erzwungene massive Einschaltung der ADB in die Finanzierung der Krisenpakete hat bei der Bank zu einer einschneidenden Verknappung der konzessionären - also zu besonders günstigen Bedingungen versprochenen - Entwicklungshilfekredite geführt. Deshalb drohte in jenem Teil der Welt, wo über eine Milliarde Menschen in absoluter Armut leben, eine drastische Kürzung von Programmen und Projekten. Die rot-grünen Entwicklungshelfer in Bonn sind aufgebracht, daß die ADB im Kampf gegen die Armut nun rückwärts marschiert. Nun rächt sich, daß die USA als Anführer der G 7 im Hauruckverfahren die regionalen Entwicklungsbanken als Goldesel vor die Feuerwehr spannten. Die von IWF, Weltbank und anderen Kreditgebern aufgebrachten Stützungsaktionen schlugen allein mit 17 Mrd. Dollar für Thailand, 57 Mrd. Dollar für Südkorea und 47 Mrd. Dollar für Indonesien alle Rekorde. Hinzu kam eine halbe Mrd. Dollar Liquiditätshilfe für die Philippinen.Am Beispiel des Kredits für Südkorea wird die Problematik des Rückgriffs auf die ADB-Ressourcen deutlich: Weil nach den Bankstatuten ein Viertel solcher schnell abfließender Mittel durch Rücklagen zu decken ist, stehen diese Rücklagen nicht mehr zur Auffüllung des Entwicklungsfonds für die gezielte Armutsbekämpfung zur Verfügung. Doch für ein Drittel des Gesamtplafonds waren sie eingeplant.

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