Wirtschaft : Die hochgradig subventionierte Krankenkasse gibt Versicherten 15,6 Millionen Mark zurück

Bernhard Koch

Die auf Millionensubventionen angewiesene AOK Berlin zeigt sich spendabel: Mitglieder, die wenig und gar keine Ausgaben beim Doktor oder im Krankenhaus verursacht haben, bekommen für 1998 insgesamt 15.6 Millionen Mark erstattet. Einen Antrag auf Rückzahlung hatten 142 000 der derzeit 790 000 AOK-Mitglieder gestellt. Im Durchschnitt fließen 375 Mark an die Antragsteller zurück. Weil die größte Krankenkasse der Stadt jährlich rund 250 Millionen "Nothilfe" westdeutscher Ortskrankenkassen und zudem Millionensummen aus einem bundesweiten Finanzausgleichssystem sämtlicher Kassen bekommt, kritisieren konkurrierende Kassen die Beitragsrückgewähr als "Geldverschwendung".

Für die Rückzahlung nehme man "keinen Pfenning" aus dem bundesweiten Ausgleichstopf sämtlicher gesetzlicher Krankenkassen, betonte AOK-Sprecherin Gabriele Rähse. Hier werden Einnahmenunterschiede ausgeglichen, die mit der Lohnhöhe der Mitglieder, der Anzahl beitragsfrei versicherter Familienmitglieder und der Altersstruktur zusammenhängen. Die umstrittene Beitragserstattung diene dazu, die Mischung aus gut und weniger verdienenden sowie mehr oder weniger gesunden Mitgliedern zu halten und zu verbessern, sagt Rähse.

Diese sogenannte "Risikostruktur" ist bei der AOK Berlin weit schlechter als bei anderen Kassen. So sind bei der AOK gut 40 Prozent der Mitglieder Rentner, die wesentlich häufiger Medikamente brauchen und zum Arzt müssen. Fast alle anderen Kassen haben weniger Rentner. Auch bei "Härtefällen" mit Mini-Einkommen liegt der Anteil bei der AOK deutlich über durchschnittlichem Niveau. Ein weiteres Beispiel: Freiwillig Versicherte mit mehr als 6000 Mark monatlichem Bruttoeinkommen machen bei der AOK unter zehn Prozent der Mitglieder aus, die Techniker Krankenkasse dagegen hat gut 40 Prozent "besser Verdienende" in ihren Reihen. Im freien Wettbewerb um Mitglieder hat die AOK in den letzten Jahren vor allem jüngere Mitglieder mit vergleichsweise gutem Einkommen verloren, die "Risikostruktur" wurde immer schlechter.

Den Vorwurf, die AOK verletze mit der Rückerstattung das Prinzip der solidarischen Sozialversicherung, weil sie Gesunde belohne und Kranke bestrafe, weist Kassensprecherin Rähse zurück. Keineswegs ermuntere die AOK ihre Mitglieder, auf Vorsorgeuntersuchungen etwa bei Krebs, den "Gesundheits-Check-Up" oder Prophylaxe beim Zahnarzt zu verzichten. Solche Leistungen würden bei Beitragsrückgewähr nicht angerechnet. Auch sämtliche Ausgaben für Kinder unter 18 Jahren oder im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Mutterschaft spielten bei der Berechnung keine Rolle.

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