Wirtschaft : Die Hoffnung auf den Aufschwung wird vertagt

Positive Nachrichten aus den USA haben Hoffnungen gestärkt, dass die konjunkturelle Wende wenigstens in Amerika in Sicht sein könnte. Wider Erwarten sind die Bauausgaben im November gestiegen. Auch der Einkaufsmanagerindex, der als Indikator dafür gilt, wie sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten entwickeln wird, fiel mit einem Wert von 44,5 besser aus als erwartet. Für die Eurozone sind die von Reuters befragten Einkaufsmanager im November etwas besser gestimmt als im Oktober.

Trotz der Aufwärtsbewegung bleibt die Stimmung nach wie vor im Keller. Erst ein Indexwert über 50 besagt, dass die Manager eine tatsächliche Verbesserung der Geschäftslage erwarten. Alles, was darunter liegt, deutet auf eine weiter zurückgehende Geschäftslage hin. Immerhin aber scheint nun die Abwärtsdynamik gebremst zu sein. Unklar ist auch, ob die leichte Erholung nur eine Gegenbewegung zu den massiven Einbrüchen im Oktober ist, als die Indices nach den Terroranschlägen regelrecht eingebrochen waren. Erst der Dezember wird also zeigen, ob die Hoffnungen auf eine Wende tatsächlich berechtigt sind.

Der Dollar stieg nach den Konjunktudaten an und legte wegen der verbesserten Aussichten gegenüber dem Euro rund einen halben Cent zu. In Euroland und Deutschland sei die Lage noch "sehr schlecht", sagen Volkswirte der Commerzbank. In Deutschland sind insbesondere die Aufträge im Bau- und Dienstleistungsgewerbe weiter zurück gegangen. Die angespannte Lage der Industrie zeigt sich vor allem auch in der weiter gesunkenen Zahl der Beschäftigten. Sie hat im November sowohl in Euroland als auch in Deutschland ein Rekordtief erreicht.

Die Unternehmen begründeten die Entlassungen mit Sparmaßnahmen. Am stärksten seien Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen betroffen. In Deutschland lieferten lediglich die deutlich gestiegenen Exportaufträge einen Lichtblick. Sie konnten sich von ihrem Einbruch im Oktober erholen. Dagegen deuten die gegenüber dem Vormonat stark verkürzte Lieferzeiten auf weiter bestehende Überkapazitäten hin.

Auch der Frühindikator, den das Handelsblatt errechnen lässt, hat nochmals nachgegeben. Der nachhaltige Vertrauensverlust in weiten Teilen der Wirtschaft, abzulesen vor allem am Ifo-Geschäftsklima, setzte sich wider Erwarten im Oktober fort. Er schlägt sich inzwischen auch in den realwirtschaftlichen Daten nieder. Sowohl die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe als auch die ohnehin schwache Baunachfrage sind deutlich eingebrochen. Ifo-Chef Hans Werner Sinn sagte gestern, dass die konjunkturelle Situation in Deutschland so schlecht sei wie seit Beginn der achtziger Jahre nicht. Damals war die wirtschaftliche Leistung in einem ganzen Jahr zurück gegangen.

Das Ifo-Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe war im Oktober nochmals frostiger geworden. Weder im Westen (-25 Saldopunkte nach -22,9 Punkten) noch im Osten (-17,4 nach -16,6 Punkten) erfüllte sich die Hoffnung, dass es sich bei dem massiven Einbruch vom September vielleicht nur um eine Überreaktion auf Grund der Terroranschläge in den USA gehandelt haben könnte. Der Schock sitzt tief.

Die Unternehmen berichten von einer deutlich verschlechterten aktuellen Geschäftslage in den vergangenen beiden Monaten, sowohl was den Export betrifft als auch insgesamt. Auch die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate werden pessimistisch beurteilt, im Westen noch stärker als im weniger exportabhängigen Osten. Am frostigsten ist das Geschäftsklima bei den Herstellern von Investitionsgütern und Vorprodukten, während die konsumnäheren Bereiche zuletzt wieder etwas besser gelaunt waren.

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