Wirtschaft : "Die hohen Börsenkurse sind nicht so einfach nachzuvollziehen" (Interview)

Wie kommt es[dass die Biotech-Werte seit einigen]

Dirk Schlamp ist Wertpapieranalyst für Aktien der Biotechnolgie-Branche bei der DG Bank in Frankfurt (Main).

Wie kommt es, dass die Biotech-Werte seit einigen Monaten so abgehen?

Anfang der neunziger Jahre gab es ja schon einmal einen Boom. Damals haben sich die Hoffnungen der Anleger nicht erfüllt, die Unternehmen haben keine Medikamente entwickelt. Inzwischen ist die Branche reifer geworden. Die Fonsmanager, die bisher vor allem Internet-Werte gekauft haben, suchen neue Anlagefelder für ihr Geld und haben dabei die Biotechnologie wiederentdeckt. Am Neuen Markt gibt es aber nicht so viele Unternehmen. Darum steigen die Kurse.

Denken Sie, dass die Blase bei den Biotechnologie-Werten bald platzen wird und die Kurse in den Keller fallen?

Die hohen Börsenkurse, die wir seit einigen Monaten haben, sind nicht so einfach nachzuvollziehen. Da ist zu viel Fantasie drin - was auch daran liegt, dass viele Anleger sich mit der Branche nicht auskennen. Aber ich gehe trotzdem davon aus, dass der Boom weiter anhalten wird. Erst eine Negativ-Meldung könnte die Wende bringen, etwa ein Medikament, dass in der klinischen Phase, kurz vor der Zulassung, durchfällt.

Es dauert Jahre, bis die Unternehmen Medikamente oder Technologien zur Marktreife bringen, das Risiko, dass es scheitert, ist groß. Gibt es Werte, die Sie trotzdem zum Kauf empfehlen würden?

Es gibt Unternehmen wie Quiagen oder Morphosys, bei denen wir das Risiko relativ gering einschätzen. Qiagen etwa ist Marktführer bei der DNA-Reinigung. Jeder, der mit DNA arbeitet, ist auf das Unternehmen angewiesen. Das Unternehmen hat bewiesen, dass es ertrags- und akquisitionsstark ist und seine Ziele erreicht. Auch Morphosys, das Antikörper gegen Krebs herstellt, hat technisch eine sehr gute Position. Der Antikörpermarkt wird sehr stark wachsen, von dem Trend wird Morphosys profitieren. Viele andere Unternehmen sind dagegen in einer sehr frühen Phase der Forschung. Ob sie erfolgreich sind, ist noch nicht abzusehen.

Würden Sie Anlegern davon abraten, nur Biotechnologie-Aktien zu kaufen?

Ja. Das Risiko wäre zu hoch. Besser ist das Kapital in einem Fonds aufgehoben, in dem neben Biotech-Unternehmen noch andere Branchen vertreten sind. Hier kann man das Risiko besser streuen.

Die Branche ist schwierig. Worauf sollten Anleger beim Kauf von Biotechnologie-Werten achten?

Ich würde mir selektiv einzelne Werte vornehmen und mich mit der Materie genau beschäftigen. Wichtig ist auch, sich das Unternehmen genau anzuschauen. Gut sind auf jeden Fall die, die in nächster Zeit mit Medikamenten auf den Markt kommen. Das sind zurzeit vor allem US-Firmen wie Imclone und Alexion Pharmaceuticals.

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