Wirtschaft : Die hohen Kosten verunsichern Beispiel einer energetischen Gebäudesanierung

Silke Katenkamp (dpa)
In ein Haus können Sanierer viel hineinstecken. Was sich rechnet und was nicht, sollte anhand der zu erwartenden Einsparungen genau berechnet werden. Foto: Schwäbisch Hall
In ein Haus können Sanierer viel hineinstecken. Was sich rechnet und was nicht, sollte anhand der zu erwartenden Einsparungen...

Ulrich Wolf und seine Frau sind seit kurzem Mitglieder der „Solargilde“. So nennt der 63 Jahre alte Münsteraner ironisch die Menschen, deren Häuser wenig Energie verbrauchen. Das Haus der Wolfs gehört seit wenigen Wochen dazu – obwohl es aus dem Jahr 1978 stammt.

Trotzdem ist es ein Niedrigenergiehaus, denn das Ehepaar hat es komplett sanieren lassen: Dach, Fassade und Kellerdecke neu gedämmt, die zugigen Fenster ausgetauscht, eine sparsame Ölbrennwertheizung installiert und eine Solaranlage für warmes Wasser. Nun verbraucht ihr Zweifamilienhaus nur noch 39 Prozent der früheren Energiemenge. Pro Jahr pustet es 10,4 Tonnen Kohlendioxid weniger in die Luft.

Geht es nach dem Willen der Bundesregierung, sollen alle Besitzer von Altbauten ihre Gebäude modernisieren, weil Häuser die größten Energiefresser sind. Mit Heizung, Warmwasser und Beleuchtung geht für sie fast 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs drauf. Zudem stehen sie für fast 20 Prozent des Kohlendioxidausstoßes.

Bundesweit wächst das Interesse an der Sanierungsoffensive, auch wenn Berichte über drastische Kosten viele Bürger verunsichern. „Um ein Haus aus den 70er Jahren energieeffizient zu sanieren, ist man schnell bei 100 000 bis 130 000 Euro“, sagt Frank Müller. Als Energieberater begutachtet er Altbauten, um für die Eigentümer einen Energieplan zu entwickeln. Darin steht, wie viel Heizungskosten durch welche Verbesserungen zu sparen sind – und ob sich das Ganze wirtschaftlich überhaupt lohnt.

Energieexperte Müller hat auch die Wolfs beraten. Das Ehepaar hat für die energetischen Arbeiten insgesamt rund 100 000 Euro ausgegeben. Viel Geld, das sich nach den Berechnungen von Frank Müller allerdings in gut 20 Jahren ausgezahlt hat. „Wir gehen davon aus, dass unser Haus jetzt 50 Prozent weniger Öl verbraucht“, sagt Wolf. Gedanken an die Umwelt spielten bei den Sanierungsplänen keine Rolle, sagt Wolf. „Wir hätten den alten Bau sowieso irgendwann sanieren müssen. Und wenn man sich ein bisschen kundig macht, findet man heraus, dass der Weg über die Energiesanierung der preiswerteste ist.“ Die Erfahrung, dass sich nur wenige Hauseigentümer Gedanken um die Umwelt machen, hat auch Müller gemacht. „Die kommen, weil sie sowieso sanieren müssen. Und dann interessiert sie vor allem, wie sie das am günstigsten hinbekommen.“ Müller weist seine Kunden dann auf die Förderprogramme von Bund, Länder und – wenn vorhanden – Städten und Gemeinden hin. Sie geben Geld für die Energiesanierung, damit das Energiekonzept am Ende auch aufgeht. Und das funktioniert anscheinend: „Die Zahl der Interessenten hat in den vergangenen drei Jahren stark zugenommen.“

Seit September wartet der Energieberater allerdings mit schlechten Nachrichten auf. „Die Auflagen für eine Förderung werden ständig verschärft“, sagt er. „Das ändert sich fast vierteljährlich.“

Was das in der Praxis bedeutet, zeigt das Beispiel der Familie Wolf. Nach der Modernisierung, für die sie 26 000 Euro Förderung erhalten haben, fällt ihr Haus in die Kategorie „Effizienzhaus 130“. Das bedeutet, dass der Altbau beim Verbrauch nur 30 Prozent schlechter dastehen darf als ein Neubau.

Seit September ist diese Regel gestrichen. „Heute muss man für eine Förderung mindestens ein ,Effizienzhaus 115‘ erreichen“, sagt der Energieberater. Der Altbau darf also nur 15 Prozent schlechter dastehen als der Neubau. „Um das für ein Haus aus den 50er, 60er oder 70er Jahren zu erreichen, sind die Kosten sehr hoch.“ Es komme daher vor, dass seine Kunden sich gegen die Sanierung mit Förderung entscheiden. Silke Katenkamp (dpa)

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