Wirtschaft : Die iberischen Autobauer liegen in Europa an der Spitze - Verkäufe steigen um fast ein Fünftel

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Spaniens Automarkt boomt. Das Wachstum übersteigt die kühnsten Träume der Autobauer, die mit der Nachfrage auf der iberischen Halbinsel kaum noch mitkommen. 1999 legte der Verkauf von Fahrzeugen um 18 Prozent zu, rund vier mal mehr als der europäische Duchschnitt. Das Sonnenland entwickelt sich immer mehr zum Motor für Europas Autoproduktion. Spanien glänzt mit der höchsten Wachstumsrate in Europa, insgesamt wurden 1999 mehr als 1,4 Millionen Fahrzeuge verkauft. In Frankreich stieg der Verkauf nur um zehn Prozent, in der Auto-Nation Deutschland um magere 1,4 Prozent, in Italien und Großbritannien sank der Absatz gar um ein beziehungsweise zwei Prozent.

Das Autofieber in Spanien erklärt sich vor allem durch den großen Nachholbedarf: Die nationale Autodichte liegt weit unter dem Schnitt der anderen großen Industriestaaten. Zudem: Jedes dritte Auto ist älter als zehn Jahre, jeder zweite Benziner wird immer noch von verbleitem Treibstoff angetrieben. Blei-Fahrzeuge hätten nach EU-Umweltrecht Ende 1999 verschrottet werden müssen. Doch Brüssel räumte Spanien - Entwicklungsland in Sachen Umweltschutz - eine letzte Gnadenfrist von zwei Jahren ein. Auch als Produktionsstandort wird Spanien immer bedeutender. Das Land etabliert sich als fünftgrößter Autobauer der Welt knapp hinter Frankreich. Auf den Plätzen eins bis drei liegen die USA, Japan und Deutschland. Rund 2,9 Millionen Fahrzeuge liefen im Jahr 1999 in Spanien vom Band, auch das ein Rekord - insgesamt ein Plus von mehr als drei Prozent.

Alle großen Autobauer der Welt lassen inzwischen in Spanien herstellen. Mehr als die Hälfte der Produktion geht in andere europäische Länder. Das Land bietet günstige Produktionsbedingungen, die Arbeitskosten liegen rund ein Drittel unter dem Durchschnitt Europas. Das verlockt die Industrie zu weiteren Investitionen: Volkswagen, Renault, Opel, Ford, Mercedes, Nissan - alle wollen ihre Fabriken ausbauen. Ärgerlich für spanische Autokäufer ist, dass zwar inzwischen praktisch alle Automobil-Konzerne im Land Fahrzeuge bauen, die Wartezeiten für Neuwagen jedoch lang sind. Das wohl auch deshalb, weil der Export in andere Länder mehr Profit abwirft. Ein harter Preiskampf in Spanien hat die Gewinnmargen hier auf ein Minimum schrumpfen lassen. Entsprechend sind einige Modelle in Spanien günstiger zu haben als im restlichen Europa. Der Verkauf an EU-Ausländer, die Preisvorteile in Spanien nutzen wollen, wird jedoch durch manche Autohäuser erschwert. Ein klarer Verstoß gegen das Recht: Die EU-Kommission hat deswegen diverse Untersuchungsverfahren eingeleitet.

Marktführer in Spanien sind übrigens Renault, Peugeot und Citroën, die sich ein Drittel des Marktes teilen. Gefolgt von der Volkswagen-Gruppe, dessen Tochter Seat 1999 zweistellig zulegte. Rekordzuwächse fahren erstaunlicherweise auch Luxusmarken wie Jaguar oder Porsche ein, deren Verkäufe um bis zu 40 Prozent stiegen.

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