Wirtschaft : Die Idee, Bert Rürup in den Rat der "Fünf Weisen" zu berufen, stößt auf Kritik

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Der Darmstädter Volkswirtschaftsprofessor Bert Rürup soll als Nachfolger von Professor Herbert Hax in den Rat der "Fünf Weisen" berufen werden. Zu einem entsprechenden Artikel im "Handelsblatt", der dies behauptet, wollte sich das Finanzministerium am Freitag nicht äußern. Unter Ökonomen ist die Idee, Rürup zu berufen, auf Unverständnis gestoßen. Allein schon die Tatsache, dass ein möglicher Nachfolger öffentlich bekannt wird, bevor der Sachverständigenrat selbst zu einem Kandidaten Stellung nehmen kann, sorgte für Aufsehen. Das sei erstaunlich und unüblich, hieß es auch beim Sachverständigenrat in Wiesbaden selbst. Normalerweise schlage das Finanzministerium intern Kandidaten vor. Dann äußere sich der Sachverständigenrat, ohne allerdings ein Veto einlegen zu können. Anschließend werde im Kabinett darüber gesprochen. Und erst dann wird die Wahl veröffentlicht.

Doch nicht nur das Verfahren, sondern auch die Wahl der Person ist umstritten. Der 56-jährige Rürup (SPD) ist zwar ein ausgewieser Rentenexperte und in der Politikberatung erfahren. Er gehört unter anderem der Rentenreformkommission bei Bunderwirtschaftsminister Walter Riester (SPD) an und war auch schon Berater von dessen Vorgänger Norbert Blüm (CDU). In Professorenkreisen gilt er aber für ein Gremium, wie das der "Fünf Weisen", eher als "zweite Wahl". Für geradezu fatal halten es Beobachter, wenn dieses Gremium nicht mehr in erster Linie nach fachlichen Kompetenzen, sondern nach Parteienproportz besetzt wird. Aufgabe der "Fünf Weisen" sei es, die Politiker durchaus kritisch zu beraten und zu begleiten. Schon die Nachfolge von Professor Wolfgang Franz durch den Berliner Professor Jürgen Kromphardt war umstritten.

Für viele nicht ganz nachvollziehbar ist der Vorschlag auch deshalb, weil Rürup Finanzwissenschaftler und nicht wie Hax Betriebswirt ist. Der Aufgabenbereich der Finanzwissenschaft sei schon durch den Mainzer Professor Rolf Peffekoven besetzt. Peffekoven ist es auch, der als Favorit im Sachverständigenrat für die Nachfolge von Hax als Vorsitzender gehandelt wird. Sollte Rürup also neuer Wirtschaftsweiser werden, so verliere die Betriebswirtschaft, die bisher nur von Professor Hax vertreten wurde, an Gewicht. Im Finanzministerium verwies man in Sachen Nachfolge nur auf eine dazu geplante Kabinettssitzung Anfang Februar. Der Vorschlag der Regierung werde dann Bundespräsident Johannes Rau unterbreitet, bei dem die Entscheidung liegt.

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