Wirtschaft : Die IG Metall-Gewerkschafter stehen hinter ihrer Führungsspitze

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Der Gewerkschaftstag bestätigt Klaus Zwickel und Jürgen Peters in ihren Ämtern. Kongress übt heftige Kritik an der Regierung und der eigenen Organisationalf

Der IG Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel und sein Stellvertreter Jürgen Peters sind am Dienstag in ihren Ämtern bestätigt worden. 508 der 579 Delegierten des Hamburger Gewerkschaftstages gaben Zwickel ihre Stimme, das entspricht 87 Prozent. Vor vier Jahren war Zwickel auf gut 92 Prozent der Stimmen gekommen. Peters erhielt 77,38 Prozent der Delegiertenstimmen. Nach der Wahl sprach der alte und neue IG Metall-Vorsitzende von einem "eindeutigen Vertrauensbeweis". Er wolle so "weiterarbeiten und weiterkämpfen wie ihr mich kennt", sagte Zwickel zu den Delegierten.

Mit zum Teil heftiger Kritik an der Bundesregierung aber auch an der eigenen Organisation war am Vormittag der zweite Tag des Gewerkschaftskongresses begonnen worden. Delegierte warfen der Regierung Rentenbetrug vor, ein Metaller sprach vom "Genossen der Bosse und seiner Chaostruppe", die "blankes Entsetzen" verbreite. Mit Spannung wird in Delegiertenkreisen der Auftritt Gerhard Schröders an diesem Mittwoch erwartet.

Der Kurs der eigenen Gewerkschaft wurde von einigen Delegierten als zu lasch bewertet. "Wir sind eine Kampforganisation", die sich nicht zu sehr auf konsensuale Politikmodelle einlassen sollte, meinte eine Delegierte und forderte den Vorstand dazu auf, das Bündnis für Arbeit "schleunigst zu verlassen". Ein anderer Metaller sagte, man solle dahin gehen, "wo wir hingehören: auf die Straßen und Plätze". IG-Metallchef Klaus Zwickel verteidigte das Bündnis für Arbeit. "Wir dürfen nicht den Kopf verlieren, es geht doch nicht um Kumpanei mit dem Kapital", sagte Zwickel. In der Metallbranche gebe es inzwischen hunderte von betrieblichen Bündnissen für Arbeit, mit denen Arbeitsplätze und ganze Betriebe gesichert worden seien. "Diese Betriebsräte sind doch keine Arbeiterverräter", rief Zwickel den Delegierten zu. Bei den Bündnisgesprächen gehe es nicht um Lohnleitlinien oder die "Kastrierung der Gewerkschaften". Aber die Suche nach Auswegen aus der Arbeitslosigkeit bedürfe der Kompromissfähigkeit und müsse sich innerhalb der politischen Rahmenbedingungen abspielen. Bei allen gewerkschaftspolitischen Themen stelle sich "die Vermittlungs- und Überzeugungsfrage". Das gelte auch für die Ausbildungspolitik. Zwickel stellte sich zwar an die Seite vieler Delegierter, die eine Ausbildungsumlage forderten. Aber, so räumte er ein, "mit dieser Position sind wir ziemlich allein". Auch in den Reihen des DGB sei die Zwangsumlage für Betriebe, die nicht ausbilden, durchaus umstritten. Dabei seien Arbeitslosigkeit und "das unwürdige Theater um die Ausbildungsplätze" die Hauptgründe für die Wahlniederlagen der SPD. An der Bundesregierung sei es nun, ihre Politik mit "Elementen zu ergänzen, die die Emotionen aufgreifen". Dabei schwebt Zwickel eine "wie auch immer geartete Vermögensabgabe" vor.

Der in seinem Amt bestätigte Klaus Zwickel (60) ist seit sechs Jahren Chef der größten deutschen Gewerkschaft. Der gelernte Werkzeugmacher wurde 1954 IG Metall-Mitglied. Nach fünf Jahren im Amt des Betriebsratsvorsitzenden bei der Firma Tuchel-Kontakt wurde Zwickel 1985 Organisationssekretär beim DGB-Kreis Heilbronn. Ende der 60-ger Jahre begann dann der Aufstieg in der IG Metall. Nach knapp 20 Jahren als erster Bevollmächtigter in Neckarsulm und Stuttgart wurde Zwickel 1986 Vorstandsmitglied der Gewerkschaft. Nachdem Franz Steinkühler wegen des Verdachts auf Aktien-Insidergeschäfte 1993 zurücktreten musste, rückte Zwickel an die Spitze der Gewerkschaft.

Jürgen Peters (55) war erst vor einem Jahr mit 89,73 Prozent zum stellvertretenden IG-Metall-Vorsitzenden und Nachfolger von Walter Riester gewählt worden. Riester wechselte damals als Arbeitsminister in das Kabinett Schröder. Peters gilt als der kommende IG-Metall-Chef, wenn Zwickel 2003 in den Ruhestand geht. Im Ringen um die Riester-Nachfolge hatte Peters den ursprünglich von Zwickel vorgeschlagenen Hauptkassierer Bertin Eichler ausgestochen. Eichler, der dem Reform-Flügel der IG Metall zugerechnet wird, erhielt vom Führungstrio am Dienstag mit 94,19 Prozent das beste Ergebnis.
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