Wirtschaft : Die Ikone des Roland Koch

US-Gesundheitsminister Thompson liebt radikale Konzepte – und wird dafür in Berlin ausgezeichnet

Alexander Visser

Tommy Thompson beherrscht, was alle erfolgreichen US-Politiker auszeichnet: Der republikanische Gesundheitsminister ist ein großer Vereinfacher. Sein Rezept für die Reform der Gesundheitssysteme der westlichen Welt: Weniger rauchen, gesünder ernähren, mehr bewegen. Als Beweis, dass er bereit ist, als Minister mit gutem Beispiel voranzugehen, holt er einen Schrittzähler aus der Hosentasche. „Wenn ich abends feststelle, dass ich mein Tagespensum noch nicht erledigt habe, gehe ich noch Laufen“, sagt Thompson. Am Freitag kam Thompson nach Berlin, um mit seiner Kollegin Ulla Schmidt (SPD) über globale Gesundheitsthemen zu reden. Und um einen Preis zu empfangen.

In Deutschland ist Thompson vor allem als ehemaliger Gouverneur bekannt: Sein Programm Wisconsin Works senkte die Zahl der Sozialhilfeempfänger drastisch. Seitdem gilt er Konservativen wie Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) als Ikone. Der durfte dann auch die Laudatio auf Thompson halten, als der am Freitagabend den Wolfram-Engels-Preis erhielt. Die Stiftung Marktwirtschaft und die Informedia-Stiftung wollen damit „ein Zeichen setzen für mehr Mut zum Markt.“

Für Roland Koch steht Thompsons Wisconsin Works „für mehr Eigenverantwortung, mehr Freiheit und eine Sozialpolitik, die Selbstständigkeit fördert und zugleich die elterliche Verantwortung stärkt“. Das Programm, das Koch auch in Deutschland verwirklicht sehen möchte, sieht vor, dass nur Menschen vom Staat unterstützt werden, die bereit sind zu arbeiten. Dafür erhalten sie Anreize für die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.

Thompsons Anhänger verweisen auf die Erfolge: Der Anteil der Sozialhilfeempfänger in Wisconsin sank von 4,2 Prozent im Jahr 1995 auf 0,7 Prozent im Jahr 2000. Thompsons Kritiker sagen, dass das Programm zu mehr Bürokratie geführt habe, bemängeln die Konkurrenz der staatlichen Jobangebote zum privaten Arbeitsmarkt und verweisen auf eine Sozialflucht in Wisconsins Nachbarstaaten. Zumindest eignet sich das Modell als Diskusionsgrundlage: Um Zumutbarkeitsgrenzen wird schließlich auch in Deutschland gerungen.

Von Berlin erhofft sich Thompson weitere Unterstützung für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Außerdem informierte er sich bei Ulla Schmidt über die deutschen Vorbereitungen auf mögliche Terroranschläge mit Biowaffen: „Es ist merkwürdig, dass wir uns im 21. Jahrhundert wieder mit den Krankheiten des 19. Jahrhunderts, wie Pocken und Pest, befassen müssen“, sagt Thompson.

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