Wirtschaft : Die Illusion vom starken Euro

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Von Daniel RheePiening

Der Euro erreicht erstmals seit einem Vierteljahr wieder die Parität zum Dollar, aber zum Jubeln ist in Europa niemandem zumute. Denn Politiker, Notenbanker und auch die meisten Bürger wissen: Der Anstieg des Euro-Kurses deutet weniger auf eine Stärke des europäischen Wirtschaftsraumes als vielmehr auf eine Schwäche der US-Wirtschaft.

Dies könnte sich schon bald als fatal erweisen. Denn eine baldige Rezession in den USA, wie sie von Pessimisten immer wieder an die Wand gemalt wird, trifft Europäer und übrigens auch Japaner ungleich härter. Die USA sind – Schwäche hin oder her – immer noch die Lokomotive der Weltwirtschaft. Und dennoch dürften sich die Vereinigten Staaten schneller wieder aus einer Schwächephase herausarbeiten. Ihre Wirtschaft ist flexibler.

Die Euro-Stärke entlässt die Europäer nicht aus der Verantwortung, ihre eigene Wirtschaft anzukurbeln. Einen Teil dazu beitragen könnte auch die Europäische Notenbank. Ihr gibt die Stärke des Euro die Gelegenheit, auf ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag die Zinsen zu senken, und so der Wirtschaft billiges Geld für Investitionen zur Verfügung zu stellen. Dies wirkt allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Sonst werden die Investoren sehr schnell erkennen, dass sich Investitionen jenseits des Atlantiks immer noch mehr lohnen. Damit dürften die Tage eines starken Euro gezählt sein. Eine mögliche Zinssenkung und die Abstinenz der Investoren werden seinen Kurs schnell wieder drücken. Wer sich in Euroland also heute bereits auf einen billigen USA-Urlaub im kommenden Sommer freut, dürfte sich zu früh freuen.

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