Wirtschaft : Die im Dunkeln sieht man nicht - Kontrollen bringen wenig (Kommentar)

Margarita Chiari

Jeder kennt ein Beispiel, die meisten registrieren es mit einem Augenzwinkern. Schwarzarbeit gehört zum Alltag. Dem Bundesfinanzminister aber dürfte beim Lesen der neuesten Ergebnisse über das Ausmaß der Schattenwirtschaft in Deutschland doch das Lachen vergehen. Immerhin rund 600 Milliarden DM, das entspricht rund einem Sechstel des deutschen Bruttoinlandsproduktes, werden inzwischen an Fiskus und Sozialkassen vorbei erwirtschaftet, Tendenz steigend. Von einem Schatten kann da nicht mehr die Rede sein.

Schön wäre es, wenn in diesem Schatten zumindest ein Teil der vier Millionen Arbeitslosen Unterschlupf finden würde. Doch dem ist nicht so. Gut zwei Drittel der fünf Millionen Schwarzarbeiter sind reguläre Arbeitnehmer, die sich auf diesem Weg etwas hinzuverdienen: der Kfz-Mechaniker, der mal schnell ohne Rechnung die Schrauben festzurrt, der Installateur, der die verstopfte Leitung ohne viel Aufhebens repariert, der Bauarbeiter, der am Wochenende beim Nachbarn aushilft - und die Maschinen vom Chef gleich mitbringt. Es sind aber auch Kellner, Putzfrauen und Programmierer, die angesichts der neuen Regeln für 630-DM-Jobs und Scheinselbstständigkeit in den Schatten gedrängt wurden. Und es sind auch die zahllosen Baufirmen, die sich nur noch durch die Beschäftigung illegaler Subauftragnehmer auf dem Markt behaupten können - und dadurch zumindest einige wenige legale Arbeitsplätze erhalten.

Es wirkt putzig, wenn die IG Bau nun nach der Einrichtung einer Bundesanstalt zur Bekämpfung von Schwarzarbeit ruft. Sie sollte schon aus Erfahrung klug geworden sein. Stetig wurden die Kontrollen ausgeweitet, die Bußgelder erhöht - gebracht hat es wenig. Sinnvoller wäre es, die Arbeit dort zu verbilligen, wo sie nicht mehr bezahlbar ist. Einfachere Steuer- und Abgaberegeln oder die Schaffung eines Niedriglohnsektor könnten manchen Schattenmenschen wieder ans Licht locken.

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