Wirtschaft : Die Inflation in den USA steigt weiter

Volkswirte erwarten großen Zinsschritt

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New York/Frankfurt (Main) – Die Verbraucherpreise in den USA sind im April den fünften Monat in Folge gestiegen. Die Preise seien vor allem wegen höherer Kosten für Hotels und Gesundheitsfürsorge im Vergleich zum Vormonat saisonbereinigt um 0,2 Prozent geklettert, teilte das Arbeitsministerium am Freitag mit. Der Dax reduzierte nach der Veröffentlichung der Daten seine frühen Verluste etwas und büßte bis zum Handelsschluss 0,57 Prozent auf 3803,10 Punkte ein. Zuvor war der Index unter die 200Tage-Line bei 3796 gerutscht, was den Abwärtstrend am Morgen verstärkt hatte, sagten Händler. Grund dafür sei vor allem der hohe Ölpreis gewesen. „Von den US-Verbraucherpreisen ist leider kein eindeutiges Signal in Richtung frühere Zinserhöhung oder nicht ausgegangen“,sagte ein Börsianer.

Der Anstieg der Verbraucherpreise im April fiel niedriger aus als von Analysten erwartet. Ökonomen an der Wall Street hatten insgesamt mit einem Preisauftrieb von 0,3 Prozent gerechnet.Am Donnerstag hatte der überraschend starke Anstieg der US-Erzeugerpreise neue Spekulationen über steigende Zinsen entfacht.

Die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen hat seit der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses vor zehn Tagen stark zugenommen. Die Geldpolitik könne mit „maßvoller Geschwindigkeit“ an das Wirtschaftswachstum angepasst werden, hatte der Ausschuss erklärt.

Nach Einschätzung von Volkswirten wird der US-Leitzins in kleinen Schritten steigen – von derzeit ein Prozent auf 1,25 Prozent im Juni, auf 1,75 Prozent im Dezember und 3,5 Prozent bis Ende 2005. Das geht aus einer Befragung der Online-Ausgabe des „Wall Street Journal“ hervor. Der Leitzins liegt seit Juni 2003 auf dem niedrigsten Stand seit 1958.

Sollten die Fachleute diesmal Recht behalten, wäre das der größte Zinsanstieg seit 1994. Damals hatte die Notenbank Federal Reserve die Zinsen in einer Zwölfmonatsperiode von drei auf sechs Prozent angehoben. Höhere Zinsen seien nun wahrscheinlich, weil steigende Stahl-, Öl- und-Lebensmittelpreise zu höheren Inflationsraten führen dürften, sagen die Volkswirte. Auch der schwache Dollar sei ein Einflussfaktor: Er erhöhe die Preise für Importwaren und rechtfertige Preiserhöhungen durch US-Hersteller. Ein weiterer Grund für einen großen Zinsschritt sind steigende Arbeitskosten. Im März und April haben Amerikas Unternehmen netto 625 000 Mitarbeiter eingestellt. Deshalb entfalle die Rechtfertigung für eine lockere Geldpolitik zunehmend, sagen die Volkswirte. pf/dpa

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