Wirtschaft : "Die Inflation wird über zwei Prozent steigen"

Herr Neumann[die deutsche Inflationsrate steigt w]

Manfred J. Neumann, ist Vorsitzender im wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums. Mit dem Bonner Ökonomen sprach Martina Ohm.

Herr Neumann, die deutsche Inflationsrate steigt wieder deutlicher. Gehört die Stabilitätskultur der Vergangenheit an?

Die Stabilitätskultur gehört nicht der Vergangenheit an; aber die Inflationsraten steigen wieder.

Welche Rolle spielen die Ölpreise?

Der Preisdruck ist enorm. Die Energiepreise im Lebenskostenindex sind um sieben Prozent gestiegen.

Ist man dieser Entwicklung hilflos ausgeliefert?

Nein. Es ist Sache der Geldpolitiker, hier gegenzusteuern.

Vor einem Jahr wurde in Deutschland noch laut über die Gefahr einer Deflation debattiert. Droht jetzt die große Inflation?

Die Inflation wird stärker steigen, als es nach der Definition von Preisstabilität nach Maßgabe der Europäischen Zentralbank zulässig ist; nämlich um zwei Prozent.

Was bedeutet das für Zinsen, Konjunktur und Arbeitsplätze in diesem Jahr?

Die EZB wird die Zinsen weiter erhöht müssen, nachdem sie sie letztes Jahr bewusst gelockert hat. Die Konjunktur wird nicht so stark anziehen, wie erwartet. Aber der Aufschwung ist nicht in Gefahr. Er wird nicht so stark sein, dass sich die Beschäftigungslage dauerhaft verbessern würde.

Von welcher Preissteigerungsrate an kann man von Inflation sprechen?

Die Messprobleme halten sich in Grenzen. Man kann schon bei einer Rate von über einem Prozent von Inflation sprechen.

Entspricht die Berechnungsgrundlage für die Inflation den heutigen Anforderungen?

Ja, sie werden laufend modernisiert.

Was halten Sie von den Überlegungen, auch die Aktienkursentwicklung in den Berechnungen zu berücksichtigen?

Nichts. Aktienkursentwicklungen beruhen auf Erwartungen der Zukunft. Man würde also Erwartungen in die Inflationsrate einbeziehen. Das bringt nichts.

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