• Die Internet-Banken sind auf der Suche nach neuen Kunden - Die Nutzer sollten gerne selbstständig handeln

Wirtschaft : Die Internet-Banken sind auf der Suche nach neuen Kunden - Die Nutzer sollten gerne selbstständig handeln

Felix Schöauer

Das Vorurteil lebt: Direkt-Broker gelten als Serviceleister für Zocker. Anleger, so die Werbung, kaufen und verkaufen dort sekundenschnell Aktien von morgens bis abends. Nimmermüde können sogar weit nach Börsenschluss ihre Gier nach Gewinnen befriedigen - sofern sie denn jemanden erreichen. Selbst der Handel rund um die Uhr steht schon in Aussicht. Bei Kursanstiegen von 50 Prozent und mehr am Neuen Markt schien das Motto "Werde Millionär an einem Tag" in der Vergangenheit nur recht und billig.

Doch es hat sich etwas geändert. Nicht nur, dass es mittlerweile die dritte Generation der Internet-Broker gibt, die ihren Service ausschließlich im Internet anbietet. Auch die Kunden verändern sich. Die "zweite Generation" der Internet-Anleger verfolgt andere Ziele als die erste. Die Pioniere lockte der "Hype" um das Intraday-Trading, also den Kauf und Verkauf von Aktien oder Optionen am gleichen Tag.

Die "Soliden" werden umworben

Nun merken die Discount-Institute, dass die Zielgruppe der in Marktstudien so genannten "aktiven Händler" nicht besonders groß ist. Trotz der immens hohen Zuwachsraten in der jüngsten Vergangenheit führen hierzulande noch immer weniger als eine Million Kunden ihre Konten und Depots online. So dass sich die Institute nun auf die "Soliden" konzentrieren. Diese Klientel ist hinreichend groß, verfügt über Geld, freut sich über günstige Gebühren und will den Zug zu den Online-Brokern nicht verpassen. Zwar reichen die Computer-Kenntnisse der Vertreter der zweiten Generation nicht immer über den Startknopf ihrer Notebooks hinaus. Und so stark wie die "Aktiven" werden sie auch nicht handeln.

Doch die positiven Seiten überwiegen. Die Neuen bringen etwas mit, was die Broker bislang nicht kennen: Sie werden vermutlich treuer sein als die früheren Vertreter, was für die Netz-Anbieter noch enorm wichtig wird. Die Anleger der zweiten Generation garantieren Einnahmen in schlechten Börsen-Zeiten. Ändern sich die Kurse über eine längere Spanne nur wenig, verabschieden sich die aktiven Glücksritter vermutlich als erste aus dem Handel. Das haben die Broker erkannt, und sie richten ihre PR-Maschinerie nun auf den "modern denkenden Anleger" (Consors-Chef Karl Matthäus Schmidt) aus. Halbprofis werden zwar gerne gesehen, man muss aber keiner mehr sein. Nur selbstständig sollte der Nutzer sein. Unerfahrene, die sich auf dieses Spiel einlassen wollen, haben jetzt aber auch Chancen auf gute Informationen.

Beispiel Direkt Anlage Bank (DAB): Vor einigen Wochen erst installierte die Tochter der Hypo-Vereinsbank ihren DAB-ZukunftsPlaner. Dort kann sich jeder Interessent seinen eigenen Ansparplan zusammenstellen, ob für die eigene Rente oder die Ausbildung der Kinder. Der Kunde tippt ein, wie viel Kapital er über welchen Zeitraum bekommen will und wie lange er dafür ansparen kann. Flugs berechnet ihm die DAB den benötigten Sparbetrag, oder die spätere Auszahlung in Raten inklusive Kapitalverzehr.

Beispiel Consors: Neben den angebotenen 72 Fonds haben die Nürnberger ein "Trainings-Center" für Fonds-Neulinge eingerichtet. Es werden aber nicht nur grundsätzliche Fragen online beantwortet. Der Investor kann auch steuerliche Aspekte und Vertriebsfragen online abrufen.

Beispiel Entrium: Auch der aus der Quelle Bank hervorgegangene Broker bietet seinen Kunden einen Renditerechner. Daneben beschreibt er noch einmal das grundsätzliche Konzept und die Vorteile der Investmentfonds. Nicht alle Fondssparpläne sind wirklich günstig. Bei Entrium ist es wesentlich billiger, einmal einen hohen Betrag zu investieren, als kleine monatliche Zahlungen.

Die übrigen Konditionen der Institute unterscheiden sich allenfalls in Nuancen. Bei den meisten entfallen die üblichen Gebühren für die einzelnen Wertpapiere im Depot. Die normalen Depot-Grundgebühren bleiben bestehen. Genaue Listen über die Sparplan-tauglichen Fonds sind bei den Brokern im Internet abrufbar oder werden bei Bedarf zugeschickt. Insgesamt räumen die Institute den Kunden genauso problemlos mehrmonatige Ansparpausen ein, wie sie das Wechseln zwischen verschiedenen Fonds ermöglichen.

Auch hier gilt: Verhandlungen lohnen

Was auf jeden Fall gilt: Verhandlungen lohnen sich. Wenn Kunden nur lange genug darauf bestehen, können sie auch weniger als die in der Tabelle ausgewiesenen Beträge monatlich anlegen. Wer noch länger nachfragt, kann sogar bei dem einen oder anderen Institut statt eines monatlichen oder vierteljährlichen Sparplans einen komplett anderen Zahlungs-Rhythmus aushandeln. Kunden, die nur geringe Beträge anlegen wollen, sollten allerdings immer die Gebühren im Hinterkopf behalten: Die fressen die Erträge sonst ziemlich schnell wieder auf.

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