Wirtschaft : Die Jagd nach Marktanteilen

Unternehmen investieren wieder mehr Geld im Ausland – besonders Schwellenländer sind gefragt

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Genf - International agierende Firmen fahren ihre grenzüberschreitenden Investitionen (FDI) wieder nach oben. In ihrem Weltinvestitionsbericht bewertet die Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) das Plus als Beleg für eine ausklingende Weltwirtschaftskrise.

Insgesamt erhöhte sich laut dem am Dienstag in Genf veröffentlichten Bericht die im Ausland investierte Summe zwischen 2009 und 2010 von 1190 Milliarden auf 1250 Milliarden Dollar. Damit folgen die Investitionen dem globalen industriellen Output und Welthandel, die bereits das Vorkrisenniveau erreicht haben.

Die Firmen wollten nach der Krise durch Expansion Marktanteile in fremden Regionen gewinnen, schrieben die Fachleute. Gut gefüllte Firmenkassen und nach oben zeigende Börsenbewertungen der großen Konzerne könnten den Trend noch verstärken: 2013 könne die Investitionssumme auf 1900 Milliarden Dollar steigen, schrieben die Fachleute. Damit wäre der Rekord von 2007 (1970 Milliarden Dollar) fast geknackt. Doch zugleich bremst die UNCTAD die Euphorie: „Das Geschäftsumfeld nach der Krise ist noch immer von Unsicherheiten gekennzeichnet“, warnen die Fachleute und nennen eine Ausweitung der Schuldenkrise, steigende Inflationsraten und eine konjunkturelle Überhitzung in Schwellenländern.

Noch verteidigen die USA die Spitzenposition der Empfänger: Die größte Volkswirtschaft der Erde war 2010 auch die attraktivste Volkswirtschaft für ausländische Investoren. Diese lenkten rund 230 Milliarden Dollar in die Vereinigten Staaten. An zweiter Stelle folgt China mit 175 Milliarden Dollar. Allerdings: Der Trend, in billige chinesische Massenproduktion zu investieren, verflacht laut UNCTAD mehr und mehr. „Die Investitionsströme gehen in Richtung Hochtechnologie-Industrien und Dienstleistungen“, erläutern die Spezialisten. Deutschland kam auf den fünften Rang, ausländische Firmen investierten 2010 in der Bundesrepublik 46 Milliarden Dollar. Zugleich holen aber die Entwicklungs- und Schwellenländer auf. Sie waren 2010 mit rund 640 Milliarden Dollar erstmals das Ziel von mehr als der Hälfte aller grenzüberschreitenden Investitionen.

Der größte Auslandsinvestor waren 2010 die USA. US-Firmen engagierten sich in der Welt mit 330 Milliarden Dollar. Auf dem zweiten Rang folgt China (mit Hongkong) vor Deutschland. Deutsche Konzerne gaben jenseits der Grenzen 105 Milliarden Dollar aus, ein Drittel mehr als 2009. Die Schwellenländer werden auch als Investoren wichtiger: Rund 30 Prozent aller Investitionen stammen von ihnen. Jan Dirk Herbermann

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