Wirtschaft : Die Japaner verzichten auf Luxus

Europäische Nobelmarken von der Krise in Fernost besonders betroffen PARIS (AFP).Für die Hersteller von Luxusprodukten sind mit Beginn der Asien-Krise harte Zeiten angebrochen.Seit in den fernöstlichen Tigerstaaten die Währungen dramatisch an Wert verlieren und die Börsennotierungen ins Uferlose stürzen, befinden sich auch ihre Aktienkurse im freien Fall.Gerade Südostasien und vor allem Japan sind die weltweit größten Märkte für Markenware etwa von Louis Vuitton Moet Hennessy (LVMH) oder Gucci.Da dort die Kaufkraft wegbricht, setzen die Investoren in Europa und den USA auch nicht mehr auf Luxusmarken. Innerhalb von knapp sechs Monaten verloren die Aktien des weltweiten Marktführers von Luxusprodukten, LVMH, in Frankreich 45 Prozent an Wert.Hermes, der König des quadratischen Tuchs, verlor 31 Prozent seines Wertes an der Börse, und die Notierung von Dupont, des Edelherstellers für Schreibwaren und Feuerzeuge, brach gleich um 67 Prozent ein. Ein herber Schlag traf auch den italienischen Lederwarenhersteller Gucci.Er konnte den Verlust nur deshalb auf 28 Prozent begrenzen, weil die Werte zwischenzeitlich durch Gerüchte über eine Übernahme durch LVMH wieder anzogen.Der Kosmetikkonzern Clarins hat einen Kursverlust von 45 Prozent zu verkraften.Der Schweizer Uhrenhersteller Tag Heuer verlor seit Beginn der Währungskrise mehr als 40 Prozent seines Börsenwertes."Die asiatische Wirtschaftskrise mit der Abwertung der wichtigsten örtlichen Währungen lastet auf der Kaufkraft der Japaner, den wichtigsten Käufern von Luxusprodukten", sagt der Londoner Vizepräsident des US-Wertpapierhauses Merrill Lynch, Edouard de Boisgelin.Möglicherweise würden die Japaner der Entwicklung zum Trotz ja weiter Produkte von Vuitton und Hermes kaufen.Aber es dürfe nicht außer Acht gelassen werden, daß das Geschäft der großen europäischen Luxusmarken in Hongkong schon 1997 um über zwei Drittel zurückgegangen sei. Die Stunde der Wahrheit kommt 1998.Merrill Lynch sagt für das kommende Jahr einen Rückgang der Verkäufe von 20 bis 50 Prozent in Asien voraus.Dies ist ein Alptraum für die großen europäischen Luxusfirmen, die dort bis zur Hälfte ihres Umsatzes erzielen.Mehrere Experten sind zu dem Schluß gekommen, daß der Markt für Luxusprodukte in Japan im kommenden Jahr um ein Fünftel sinkt. Der japanische Tourist ist ein begeisterter Anhänger der "Einkaufsreise", die einen großen Wachstumsmarkt darstellt.Seine Pauschalreisen drehen sich oft rund um edle Einkaufszentren voller Luxusprodukte oder zollfreie Boutiquen an Flughäfen.LVMH, das vor einem Jahr Duty Free Shoppers (DFS), den Weltmarktführer für die Vermarktung von Luxusprodukten gekauft hat, dürfte von der Entwicklung herb getroffen werden.

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