Wirtschaft : Die K-Debatte in Zahlen

Moritz Döbler

Um Zahlen hinter den Nachrichten geht es hier stets; im Sinne Mao Tse-tungs, der den Genossen riet, Zahlen im Kopf zu haben: „Jede Qualität drückt sich in einer bestimmten Quantität aus, ohne Quantität gibt es keine Qualität.“ Wenn man diese universelle Weisheit zu Grunde legt, dann muss der Kapitalismus anno 2005 etwas qualitativ Neues sein.

Denn allein die Deutsche Presse-Agentur hat in diesem Jahr in ihrem so genannten Basisdienst das K-Wort 343 Mal erwähnt – und nähert sich damit schon weit vor dem Sommerloch dem dreifachen Wert des gesamten vorigen Jahres (129). Ja, auch in dieser Zeitung machte das K-Wort Karriere und fand sich in diesem Jahr bisher in 109 Artikeln (jetzt 110), während es im Vorjahr 170 waren.

Franz Müntefering gab den Anstoß, doch bei vielen wichtigen Politikern fehlt das K-Wort völlig im Repertoire. Der Bundeskanzler etwa hielt vor knapp zwei Wochen eine Rede zur „Kultur des Wirtschaftens“, die hatte 3174 Wörter, aber das K-Wort war nicht dabei. Oder der Bundespräsident gut einen Monat zuvor beim Arbeitgeberforum „Wirtschaft und Gesellschaft“: 2440 Wörter, darunter der Käfer, Kinder, der Kollaps (der Sozialsysteme), aber kein Kapitalismus, nicht mal ein klitzekleiner Kapitalist.

Übrigens: Im Jahr 2002 gab es genau einen Artikel im Tagesspiegel, in dem „Müntefering“ und „Kapitalismus“ vorkamen. Das war aber Zufall, denn beide tauchten eher zusammenhanglos in ein und demselben Essay über „Geiz ist geil“ auf. Womit abschließend erstens, wie so häufig bei Statistiken, belegt wäre, was ohnehin hohe Plausibilität hat: dass es sich um eine Mode-Debatte (siehe Acrylamid) handelt. Und zweitens, dass hohe Quantität nicht zu Qualität führt.

wirft einen Blick

auf die Statistik des aktuellen Diskurses

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