Wirtschaft : Die Kamps-Story ist vorbei

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Von maren Peters

Die Geschichte des kleinen Bäckermeisters, der auszog, um ein ganz Großer zu werden, ist zu Ende. Heiner Kamps, Chef der gleichnamigen BäckereiKette, ist am Montag zurückgetreten. Und das ist gut so.

Kamps war der New-Economy-Mann in der bodenständigen Bäckerbranche. Er wollte keine kleinen Brötchen im Düsseldorfer Betrieb seines Vaters backen, sondern träumte von grenzenlosem Wachstum, europaweit. Kamps hatte eine Vision, die er bald auch seinen Aktionären schmackhaft machte: Aus dem elterlichen Bäckerladen wollte er den größten Backkonzern der Welt machen. Mit geliehenem Geld kaufte Kamps Geschäft um Geschäft, sammelte sie wie andere Leute Münzen oder Briefmarken. Am Ende hatte er über 1100 Filialen in drei europäischen Ländern zusammengetragen, mit dem Kauf des Brotkonzerns Harry’s stieg er auch ins internationale Industriegeschäft ein. Kamps im Kaufrausch. Doch der Unternehmer hatte sich übernommen, der Gewinn knickte ein, der Schuldenberg wuchs, die Aktie stürzte ab, schließlich eilte der italienische Nudelkonzern Barilla zur Hilfe.

Die Zeit der Visionen und die Zeit des Visionärs Kamps ist vorbei. Jetzt kommt die Zeit des Buchhalters. Kamps Nachfolger Michael Kern muss sehen, was er von der Vision retten kann – und zeigen, dass man auch mit großen Brötchen Geld verdienen kann.

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