Wirtschaft : Die Kapitalgeber scheuen das Wagnis

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Berlin (hin). Die Investitionen der Kapitalbeteiligungsgesellschaften konzentrierten sich im ersten Jahresquartal 2002 auf die Technologiebranche. Das zeigt die vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Venture Capital Association (BVK) in Berlin vorgelegte Statistik für das erste Quartal 2002. Führend waren danach die Informationstechnologien mit 20,6 Prozent, gefolgt von Kommunikationstechnologien (14,6 Prozent) und Biotechnologie (12,1 Prozent). Im Fokus standen allerdings, im Gegensatz zum Vorjahr, Technologieprodukte und weniger Anwendungen wie beispielsweise Marktplätze und Plattformen. Traditionelle Branchen wie der Maschinen-und Anlagebau (11,7 Prozent) und die Elektrotechnik (7,8 Prozent) konnten im ersten Quartal 2002 ebenfalls höhere Anteile ausweisen.

Der deutsche Beteiligungsmarkt stehe weiterhin im Zeichen der Konsolidierung. „Der Markt ist noch von großer Vorsicht und Zurückhaltung geprägt", sagte Werner Schauerte, Vorstandsvorsitzender des BVK. „Marktteilnehmer mit liquiden Mitteln können sich weiterhin noch nicht zu großzügigen Investitionen entscheiden. Anderen mangelt es an Liquidität."

Die Mitglieder des BVK verfügten zum 31. März 2002 über ein Portfolio (insgesamt investiertes Kapital) von 15,97 Milliarden Euro, das in 5995 Unternehmen investiert wurde. Die Neuinvestitionen betrugen im ersten Quartal 2002 insgesamt 482,2 Millionen Euro. Davon entfielen 264,9 Millionen Euro auf Erst-Engagements in 184 Unternehmen und 217,3 Millionen Euro auf Folge-Engagements in 286 Unternehmen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2001 bedeutet das einen Rückgang um rund 40 Prozent.

Im ersten Quartal 2002 dominierten die Finanzierungen von Expansionsvorhaben mit einem Anteil von 41,7 Prozent, das entspricht 201 Millionen Euro. Verglichen mit dem Vorjahresquartal (35,9 Prozent) sind sie damit deutlich angestiegen. Erstaunlich sei der hohe Anteil an Early-Stage-Investitionen (siehe Lexikon auf Seite 20), er belief sich auf 34,8 Prozent (167,8 Millionen Euro). Im gesamten Jahr 2001 betrug dieser Anteil 26 Prozent.

Das vergangene Jahr sei für den deutschen Beteiligungsmarkt von ständig zurückgehenden Investitionen geprägt gewesen. Zur Jahresmitte 2002 hält der BVK jedoch ein moderates Wachstum für möglich. „Das Ausgangsniveau ist allerdings sehr niedrig", sagte Holger Frommann, Geschäftsführer des BVK. „Es ist daher wahrscheinlich, dass die Zykluskurve 2002 flacher als in der Vergangenheit sein wird.“ Frommann rechnet allerdings damit, das Ergebnis des Vorjahres wieder zu erreichen.

Die positive Stimmung für die Zukunft begründete der BVK auch damit, dass das Gründungsgeschehen bisher nicht weggebrochen sei. Die Bereitschaft zur Selbstständigkeit habe zwar unter der weltweit schlechten Wirtschaftslage gelitten, einen extremen Rückfall scheine es jedoch nicht zu geben, sagte Frommann. Sorgen bereitet dem BVK allerdings die geplante Besteuerung von Fonds. „Aufgrund der unsicheren Rechtslage wurde seit Februar 2001 kein Fonds mehr aufgelegt“, sagte Frommann.

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