Wirtschaft : „Die Karstadt-Filialen passen nicht zu uns“ Kaufhof-Chef Lovro Mandac über

Warenhäuser, Innenstädte und Parkplätze

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Herr Mandac, was ist wichtiger: das Warenhaus für die Innenstadt, oder die Innenstadt für das Warenhaus?

Beide sind gleich wichtig. Wir, die Kaufhäuser, sind die Frequenzbringer für die Innenstadt. Aber ohne die Innenstadt würden wir nicht existieren. Achtzig Prozent der Menschen, die in die Stadt kommen, kommen wegen der Kaufhäuser.

Was passiert, wenn Kaufhäuser wie Ihr Konkurrent Karstadt aus den kleinen Städten weggehen?

Für klassische Warenhäuser brauchen Sie eine gewisse Größe: Sie brauchen eine bestimmte Größe der Stadt, eine bestimmte Verkaufsfläche, um gegen Nischenanbieter antreten zu können. In vielen kleineren und größeren Städten wird es schwierig werden zu bleiben.

Egal, ob das Unternehmen Kaufhof oder Karstadt heißt?

Nein. Ich glaube, dass wir bei Kaufhof mit unserem Galeriakonzept etwas geschaffen haben, das so flexibel ist, dass wir auch in den kleinen Städten gut damit leben können: Wir denken in Modulen, die wir in unseren Häusern je nach Größe, Struktur und Bedürfnissen der Bevölkerung anbieten oder nicht. Damit können wir runter bis auf 7000 Quadratmeter Verkaufsfläche und hoch bis 40000. Und immer hat der Kunde das Gefühl, in einer Galeria Kaufhof einzukaufen.

Sie werden also alle Ihre Standorte behalten?

Ja.

Alle?

Alle.

Übernehmen Sie die Karstadt-Filialen?

Nein.

Warum nicht?

Weil Sie nicht zu uns passen. Wir vergleichen uns nicht mehr mit Karstadt. Wir haben vor zehn Jahren angefangen, das Galeriakonzept aufzubauen, wir haben fast zwei Milliarden Euro in die Innenstädte und in die Entwicklung unserer Häuser gepumpt. Das ist eine Evolution, die weitergeht.

Was hat Karstadt falsch gemacht?

Ich kann zu den Fehlern und Strategien meines Wettbewerbers nichts sagen. Wir haben für uns gelernt, dass wir auf unsere Zielgruppe zugehen müssen. Dass sie nicht zu uns kommt, sondern dass wir zu ihr müssen. Das bestimmt unser Konzept, unser Sortiment und die Einstellung unserer Mitarbeiter.

Müssen die Innenstädte mehr für Sie tun?

Wir sollten nichts verwechseln: Nicht nur wir sind wichtig für die Innenstadt. Das sind auch die vielen kleinen Händler, die Restaurants, die Theater, die Straßenfeste. Wir alle sind die Stadt.Wir versuchen überall, wo wir sind, ein Stadtmarketing aufzubauen.

Und wenn die Zielgruppe trotzdem lieber in Einkaufscentern vor den Toren der Stadt einkauft?

Dann muss sie das tun. Es gibt eine klare Gewaltenteilung: Auf der grünen Wiese kauft man ein, um den täglichen Bedarf zu decken. Und in die Innenstadt fährt man, um etwas zu erleben.

Stimmt, da erlebt man wirklich was: Man sucht stundenlang einen teuren Parkplatz, überall liegt Müll herum, und abends muss man fürchten, beraubt zu werden.

Genau das ist das Problem: Die Städte müssen die Erreichbarkeit, die Sicherheit und die Sauberkeit der Innenstädte garantieren. Wer den Handel in der Stadt halten will, muss dafür mehr tun. Wir brauchen die Wettbewerbsgleichheit mit der grünen Wiese: Und in den Bereichen Parkraum, Sicherheit, Sauberkeit haben wir ihn nicht.

Der Kanzler und sein Wirtschaftsminister wollen ja jetzt auch viel mehr für den Handel tun. Was?

Die Politik muss deregulieren und darf uns nicht durch viele tausend Gesetze, Regeln und Auflagen an dem hindern, was wir können: am Handeln. Es wäre sehr schön, wenn wir mehr Freiheit hätten. Der Handel macht über zwanzig Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Wenn es uns nicht gut geht, dann kann es auch dem Land nicht gut gehen.

Die Fragen stellten Dagmar Rosenfeld und Ursula Weidenfeld.

Lovro Mandac ist

Vorstandsvorsitzender der Kaufhof Warenhaus AG . Das zum Metro-Konzern gehörende Unternehmen feierte in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen .

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