Wirtschaft : Die Kaufhalle soll vom Markt verschwinden

Übernahme durch Kaufhof / Neues Verkaufskonzept erfolglos KÖLN (rv/HB/dpa).Der Übernahme der seit Jahren erfolglosen Kaufhalle AG durch die Kaufhof Warenhaus AG steht nichts mehr im Weg.Die Mehrheitsaktionärin Kölner Metro AG, der auch Kaufhof gehört, wollte auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Köln dem Verkauf des operativen Handelsgeschäfts zustimmen.Alleine sei die Kaufhalle im schärfer werdenden Wettbewerb nicht mehr überlebensfähig, sagte Vorstandssprecher Lovro Mandac.Der Firmenname Kaufhalle werde künftig von den insgesamt 159 Filialen verschwinden, kündigte er an.Harsche Kritik hagelte es von Seiten der Kleinaktionäre an dem Verkaufspreis von 88,2 Mill.DM und dem Abfindungsangebot des Mutterkonzerns der beiden Handelsunternehmen.Die Metro, die bereits über 90 Prozent an der Kaufhalle AG hält, hatte den freien Akionären angeboten, deren Aktien zu einem Preis von 200 DM je 50-DM-Aktie zu erwerben.Angesichts eines Ausgabekurses von 330 DM im Jahre 1990 sei das Angebot eher ein "Aprilscherz", kritisierte eine Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.Ein Kleinaktionär bezeichnete den Verkauf als "Mogelpackung".Die Aktionäre seien von Anfang an über den Tisch gezogen worden; deshalb kündigten Kleinaktionäre eine Anfechtungsklage an. Auch der Umbau von bisher 16 Filialen zu sogenannten Multistores, die ein gestraffteres Sortiment bei höherer Qualität anbieten, habe die Ertragskraft nicht steigern können, sagte Mandac.1997 fuhr das Unternehmen einen Jahresfehlbetrag von 48,7 Mill.DM ein, nach einem Jahresüberschuß von 400 000 DM im Vorjahr.Die Umsätze fielen 1997 insgesamt um 5,2 Prozent auf 2,11 Mrd.DM.Das DVFA-Ergebnis je Aktie wurde mit minus 28,68 (minus 10,61) DM beziffert. Laut Mandac lagen die Umsatz- und Ertragszahlen im 1.Quartal 1998 nochmals unter Vorjahresniveau.Flächenbereinigt ergab sich im Warengeschäft 1997 ein deutlicher Umsatzrückgang von vier Prozent.Das neue Vertriebskonzept der Multistores werde in weiteren Filialen eingeführt, sagte Mandac.Vom Jahr 2002 an soll es Gewinn abwerfen. Die Kaufhalle AG wird mit dem Verkauf des Handelsgeschäfts zu einer reinen Immobilien- und Vermögensverwaltung.Die Warenhaus-Immobilien der Kaufhalle AG sollen künftig an die Kaufhof-Warenhaus AG vermietet werden.Die Kaufhallen-Mitarbeiter, im Jahresdurchschnitt 1997 waren es rund 6470, werden vom Kaufhof übernommen, teilte Mandac mit.Durch erwartete Mieteinnahmen von rund 70 Mill.DM sei 1998 ein Ergebnis von 27 Mill.DM zu erwarten, kündigte Mandac an.Von diesem Jahr an will die AG ihren verbliebenen Aktionären eine Dividende von sechs DM je 50-DM-Aktie zahlen. Nach einem optimistischem Start als börsennotierte Gesellschaft im Jahre 1990 mit einem Emissionskurs von 330 DM je 50-DM-Aktie und zwei erfolgreichen Jahren begann für die Kölner Kaufhalle AG ab 1992 der Abstieg.Vor allem die Expansionspolitik - wie die Übernahme der problematischen Kauf-Center-Filialen in Ostdeutschland und der Aufbau der Buchkette Gemini - brachten das früher rentable Kleinpreiskaufhaus in Schwierigkeiten.In den vergangenen Jahren war das Konzept der 159 Filialen immer wieder - offenbar ohne Erfolg - geändert worden.Im Jahresdurchschnitt 1997 beschäftigte das Unternehmen - auf Vollzeitkräfte hochgerechnet - 6471 Mitarbeiter, die ebenfalls von Kaufhof übernommen werden.Die schwierige Konsumkonjunktur und die Tatsache, daß dem Unternehmen "die kritische Größe fehlt" (Mandac) veranlaßte den Aufsichtsrat, die Hauptversammlung über einen Verkauf des operativen Handelsgeschäfts für 88,24 Mill.DM rückwirkend zum 1.Januar 1998 an die Kaufhof Warenhaus AG abstimmen zu lassen.Die Hauptversammlung dauerte bei Redaktionsschluß an.

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