Wirtschaft : Die Kehrseite der Medallie

JOBST-HINRICH WISKOW

Exportweltmeister zu werden.Die Unternehmen führten in den ersten sieben Monaten dieses Jahres wieder einmal weitaus mehr aus, als sie einführten.Der Unterschied beträgt knapp 81 Mrd.DM.Das ist eine traurige Bilanz - auch wenn es offenbar kaum jemand kapieren will.

Warum? Eine Volkswirtschaft, die soviel mehr exportiert als importiert, hat ein großes Problem.Denn mit jedem Exportüberschuß ist per definitionem ein Kapitaldefizit verbunden: Deutsche Investoren - Firmen wie Sparer - lassen ihr Geld viel mehr im Ausland arbeiten, als ausländische Investoren sich von Deutschland locken lassen.Darum ist ein Überschuß im Außenhandel ein schlechtes Zeichen.Er zeugt zwar von einer hohen Konkurrenzfähigkeit der Exportwirtschaft - aber viel mehr von einer in der Vergangenheit.Die Zukunft dagegen verdüstert er.Wenn nämlich wenig Kapital ins Land kommt, bleiben Investitionen aus.Wenn keiner neue Kapazität aufbauen will, dann stellt er auch keine neuen Leute ein.Arbeitsplätze können nicht entstehen, die Beschäftigungskrise bleibt.

Im Extremfall bedeutet der Überschuß sogar eine regelrechte Kapitalflucht.Auch Deutschland ist davon bedroht - wenn sich nichts tut.Die Wirtschaftspolitik müßte die Priorität setzen, die Standortbedingungen zu verbessern - zum Beispiel mit einem flotten Tempo für möglichst viele Reformen: Der Staat muß Steuern und Abgaben senken, Überregulierung abbauen und weniger ausgeben, wie auch die Deutsche Bundesbank mahnt.Die Mittel sind allseits bekannt.Allein: Sie scheinen vielen zu unbequem zu sein - auch in der Politik, die lieber über die Exportweltmeisterschaft jubelt.Bitte nicht gratulieren.

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