Wirtschaft : Die KfW kauft ein Drittel der Deutschen Industriebank

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Für Hans Reich, Vorstandschef der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), ist es auch eine Antwort auf das weiter "stark zurückgehende" Interesse der Geschäftsbanken an der langfristigen Kreditfinanzierung des Mittelstandes. Noch in diesem Jahr wird die KfW von der Allianz und der Münchner Rückversicherung rund ein Drittel der Anteile an der Düsseldorfer IKB Deutsche Industriebank AG übernehmen. Beide Häuser wollen sich nun noch stärker als bisher um den Mittelstand kümmern. Reich gab am Montag zwar keine Auskunft über den Kaufpreis. Gemessen am Börsenwert der IKB von rund 1,2 Milliarden Euro dürfte die KfW aber zusammen mit dem üblichen Zuschlag etwa 470 Millionen Euro zahlen.

19,8 Prozent der Anteile bekommt die KfW von der Allianz, 13,4 Prozent von der Münchener Rück. Die KfW wird damit zusammen mit ihrer bisherigen Beteiligung von 0,9 Prozent mit insgesamt 34,1 Prozent größter Einzelaktionär der IKB. 54,9 Prozent der Anteile sind breit gestreut, elf Prozent liegen bei der Stiftung Industrieforschung, hinter der unter anderem der BDI steht.

IKB und KfW arbeiten schon länger zusammen. Die Frankfurter sind größter Refinanzierer der Düsseldorfer Bank, bei der Verbriefung von Mittelstandskrediten kooperieren beide Häuser, und der Mittelstand zählt jeweils zur bevorzugten Klientel. Bei der langfristigen Kreditfinanzierung gilt die IKB mit einem Anteil von 0,9 Prozent als Marktführer. Mit der Übernahme der Beteiligung will die KfW die Rolle der IKB für den Mittelstand stärken. Im Einzelnen wollen beide Häuser nach Angaben von KfW-Chef Reich künftig in den Feldern Unternehmensnachfolge, Eigenkapital-Finanzierung, bei Projektfinanzierungen intensiver als bisher zusammenarbeiten. Für beide Seiten ergäben sich, so Reich, auch Vorteile, weil bestehende Risiken verteilt werden könnten. Außerdem arbeite die IKB profitabel und zahle seit Jahren eine attraktive Dividende. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2001/2002, das am 31. März endet, erreichte die im M-Dax notierte IKB ein Vorsteuerergebnis von 90,4 Millionen Euro, ein Plus von rund 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Bank beschäftigt rund 1300 Mitarbeiter.

Unterdessen liegt die seit einem Jahr angestrebte Fusion von KfW und Deutscher Ausgleichsbank (DtA) wegen der Widerstände von Bundes-Wirtschaftsminister Werner Müller weiter auf Eis. Die Zusammenarbeit wurde jedoch schon so weit wie möglich intensiviert und ein gemeinsames Büro in Brüssel eingerichtet, hieß es.

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