Wirtschaft : Die Kinobranche hofft auf deutsche Filme

Im kommenden Jahr sollen die Geschäfte trotz der Fußball-WM besser laufen/Cinemaxx schreibt tiefrote Zahlen

Hans-Peter Siebenhaar

Düsseldorf - Der Medienunternehmer Herbert Kloiber, Hauptaktionär der Kinokette Cinemaxx, prognostiziert für die Kinobranche in Deutschland eine Erholung. „Ich sehe eine Entspannung kommen. Die Versorgung mit guten Filmen wird 2006 besser als in diesem Jahr ausfallen.“ Vor allem die deutschen Produktionen „Hui Buh - Das Schlossgespenst“ von Bully Herbig (der bereits mit „(T)Raumschiff Surprise“ und „Der Schuh des Manitu“ Erfolg hatte) und Bernd Eichingers Verfilmung des Erfolgsromans „Das Parfüm“ sollen mehr Besucher ins Kino locken. Die beiden Produktionen der Münchener Constantin Film AG gelten in der Branche als sichere Bank.

„Wo der nationale Film in Europa stark, ist, gibt es auch keinen Rückgang bei den Besucherzahlen“, sagt CinemaxxAufsichtsratschef Kloiber. Das sieht auch der Konkurrent Cinestar so. „Für uns ist eine stabile Produktion sehr wichtig. Das ist das Sahnehäubchen im Geschäft“, sagte ein Sprecher der größten deutschen Kinokette. Doch nicht nur die deutschen Filme, sondern auch Hollywood-Produktionen sollen mehr Zuschauer bringen. Für 2006 versprechen sich die Filmtheater insbesondere von der Verfilmung von Dan Browns Bestseller „Da Vinci Code“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle gute Geschäfte. Auch der dritte Teil von „Mission Impossible“, eine Produktion von Sony Pictures, und „Superman returns“ von Warner Bros. gelten als Hoffnungsträger.

Trotz der positiven Aussichten gibt es jedoch einen Risikofaktor: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. „Der Juli wird wegen der WM kein Vergnügen“, heißt es bei Cinestar. Fast alle Multiplexe werden auf das Medienereignis mit Live-Übertragungen der Partien reagieren, um somit leere Kinosäle zu vermeiden. Ob die Rechnung aufgeht, ist allerdings offen.

Dieses Jahr gibt die Kinobranche angesichts der Konjunkturschwäche weitgehend verloren. Die Mischung aus anhaltender Konsumunlust, aufgebauten Überkapazitäten und unattraktiven Filmen haben der Branche zuletzt schwer zugesetzt. In den ersten sechs Monaten sind die Besucherzahlen nach Angaben der Filmförderanstalt in Berlin um annähernd 17 Prozent zurückgegangen. „Für exzellente Zahlen sind nach wie vor die amerikanischen Blockbuster unabdingbar - und die blieben im ersten Halbjahr aus“, teilte die Filmförderanstalt mit.

Cinemaxx, die Nummer zwei im Markt, lieferte im ersten Halbjahr tiefrote Zahlen. Die Kinokette mit derzeit 339 Leinwänden häufte in den ersten sechs Monaten Verluste von acht Millionen Euro an. Im Vorjahreszeitraum betrug das Minus lediglich 2,1 Millionen Euro. Der Umsatz sank von annähernd 80 auf unter 70 Millionen Euro im ersten Halbjahr. Für die zweite Hälfte 2005 sollen die Zahlen besser ausfallen. „Wir sehen einen Aufschwung bei der Kinowerbung“, sagt Kloiber, der mit 49,66 Prozent seit vergangenem Jahr über seine Tele-München-Gruppe an Cinemaxx beteiligt ist. Für das zweite Halbjahr versprechen sich die Filmtheaterbetreiber nun vom neuen Harry Potter-Film von Warner Bros. und von der King-Kong-Neuauflage der Universal Studios steigende Umsätze.

Klar ist aber, dass die Kinomüdigkeit und der Boom bei der DVD nicht ohne Folgen für die Branche bleiben wird. „Es gibt ein paar Dubletten“, sagt Kloiber zu den Überkapazitäten in manchen Ballungsräumen. Der Cinemaxx-Gesellschafter will die Konsolidierung im Markt nutzen. „Wir beschäftigen uns mit der Möglichkeit, neue Standorte zu erwerben“, sagt Kloiber. Insider berichten, dass Cinemaxx in Süddeutschland dazu kaufen will. Seit dem Einbruch der Besucherzahlen im Jahrhundertsommer 2003 erlebt die Branche eine Konsolidierung. In Berlin wurde ein Multiplex geschlossen.(HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar