Wirtschaft : Die Klassiker sind wieder da

Traditionelles Spielzeug ist beliebter denn je.

Joachim Hofer (HB)

Nürnberg - Ihr Smartphone legen sie nicht mehr aus der Hand und für ihr Tablet laden sie eine App nach der anderen runter. So weit die gängigen Klischees über Kinder im Jahr 2013. Die Realität sieht anders aus. „Die Kinder haben mit klassischen Spielwaren viel Freude“, sagt Karsten Schmidt, Chef des Spieleverlags Ravensburger. Seine Zahlen belegen das: Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz des schwäbischen Familienunternehmens um drei Prozent auf 330 Millionen Euro. Mehr als drei Viertel aller Erlöse stammen aus Spielzeug, das keinerlei Elektronik enthält. „Die Eltern begrüßen es, wenn ihr Kind nicht dauernd am Tablet hängt“, meint Schmidt.

Ravensburger ist kein Einzelfall. „Vergangenes Jahr dachte ich noch, ich müsste meine Firma abstoßen“, sagt der Fürther Spielwarenfabrikant Michael Sieber. Mit enormer Wucht seien damals junge Firmen mit virtuellen Spielewelten auf den Markt gedrängt, erzählt der Eigentümer von Simba-Dickie. Inzwischen verschwendet der Hersteller von Plastikautos, Plüschtieren und ferngesteuerten Hubschraubern keinen Gedanken mehr an einen Verkauf, denn sein Geschäft erweist sich als überraschend stabil. Viele der Angreifer seien hingegen wieder verschwunden, so Sieber.

„Als Topseller erwiesen sich 2012 die klassischen Spielwaren“, sagt Andreas Schmidt, Geschäftsführer des Fachhandelsverbunds Idee + Spiel. Der gesamte Umsatz der Genossenschaft ging vergangenes Jahr zwar knapp ein Prozent zurück. Regelrecht eingebrochen sind dabei die Verkäufe von Videospielen. Das Geschäft mit traditionellem Spielzeug hingegen legte um ein Prozent zu.

Der mit Abstand erfolgreichste Klassiker kommt aus Dänemark: Lego hat hierzulande einen Marktanteil von fast 17 Prozent. In Deutschland steigerte die Familienfirma aus Billund ihre Verkäufe um 13 Prozent auf 331 Millionen Euro. „Vor zehn Jahren gab es intern Diskussionen, ob unsere Steine eine Zukunft haben“, erinnert sich Deutschlandchef Michael Kehlet. Doch das ist Geschichte. Im letzten Weihnachtsgeschäft konnte Lego gar nicht so viel liefern, wie die Kunden gerne gekauft hätten. Die neue Mädchenlinie „Friends“ war oft ausverkauft.

Auch Playmobil mit seinen bunten Spielewelten aus Plastik hat den Umsatz vergangenes Jahr kräftig gesteigert: um sechs Prozent auf 531 Millionen Euro. Die Franken verdienen ihr Geld mit Ritterburgen, Indianern, Pferden und Autos. Natürlich passen sich auch die Anbieter klassischer Spielwaren dem Zeitgeist an. Ravensburger etwa hat schon vor Jahren einen elektronischen Griffel eingeführt, mit dem sich Kinder Bücher vorlesen lassen können. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg, die am Mittwoch beginnt, zeigen die Schwaben nun noch Tierfiguren aus Plastik, die durch den Stift zum Leben erwachen. Doch alles in allem erwartet auch der Handel eine Renaissance des traditionellen Spielzeugs und ein gutes Geschäft: „2013 wird ein gutes Jahr.“ Joachim Hofer (HB)

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