Wirtschaft : Die Kleinanleger haben dazu gelernt

ROLF OBERTREIS

Sage und schreibe 420 Milliarden Mark haben Anleger an der deutschen Börse seit Mitte Juli verloren - allerdings nur auf dem Papier.Herbe Verluste in Heller und Pfennig mußten nur wenige Kleinanleger schlucken.Aber eben nur einige, freut man sich bei der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.Die meisten privaten Aktionäre sind mittlerweile fast schon Profis, auch wenn sie erst wenige Monate im Geschäft sind.Ruhig und besonnen reagieren sie seit Wochen auf die anhaltenden Turbulenzen - und verkaufen nicht.Im Gegenteil: Billige Titel legen sie sich schon mal wieder ins Depot - im Gegensatz zu vielen Fondsmanagern und Bankenhändlern, den wirklichen Profis.Allem Anschein nach haben sich diese Damen und Herren hektisch von Aktien getrennt und echte Verluste realisiert.Die Kleinanleger aber haben gelernt: Sie sind besser informiert, sie wissen um die Erfahrungen des Börsencrashs von 1987.Wer damals in Panik verfiel und alle Aktien abstieß, war der wahre Verlierer.Wer aber den Sturm über sich wegziehen ließ, stand schon wenige Tage nach dem Crash besser da als zuvor.Auch die jetzigen Börsenunruhen können die Grunderkenntnis nicht hinwegwischen: Aktien werfen über einen längeren Zeitraum deutlich mehr ab als alle anderen Anlageformen.Der mit dem Börsengang der Deutschen Telekom eingeleitete und durch die Börsenhausse verstärkte Aufwärtstrend der Aktienkultur in Deutschland hat durch die Turbulenzen in jüngster Zeit keinen Schaden genommen.Im Gegenteil: Sie waren und sind eine wichtige Erfahrung für die neuen Aktionäre.Es klingt abgedroschen, aber es ist immer noch richtig: Die Börse ist keine Einbahnstraße nach oben, sondern es kann auch ganz schnell nach unten gehen.Gleichwohl: Wer am Jahresanfang ins Aktiengeschäft eingestiegen ist, liegt heute trotz aller Turbulenzen immer noch mit fast 16 Prozent im Plus.Wahrlich kein schlechtes Ergebnis.

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