Wirtschaft : Die Kleinanleger haben die Nase voll

Daniel Rhee-Piening

Wer gemeint hatte, die frühlingshaften Temperaturen würden belebend auf die Aktienmärkte wirken, wurde in den vergangenen Tagen bitter enttäuscht. Das Gegenteil ist passiert. Der Deutsche Aktienindex befindet sich auf dem Weg nach unten - und ist noch gut dran dabei. Denn in Japan herrscht seit ein paar Tagen wieder Endzeitstimmung: Dort ist der Nikkei auf den tiefsten Stand seit 17 Jahren gefallen.

Während für Japan besondere Faktoren als Erklärung gelten müssen, haben die Investoren in den USA und Europa einfach die Lust an der Aktienanlage verloren. Und sie lassen sich auch nicht von den optimistischen Analysten der Banken überzeugen. Schließlich weiß selbst der Privatanleger, dass die professionellen Beobachter auch im Sinne ihrer Arbeitgeber reden müssen: Schon deshalb können sie nicht grundsätzlich vom Aktienkauf abraten.

Aber die Investoren blicken zurück und sehen, dass die Zeiten stürmischer Kursgewinne vorbei sind. Bis zum Jahresende ist bestenfalls mit einer Schaukelbörse zu rechnen, sagen die Skeptiker. Das heißt: Kaum verzeichnet ein Wert deutlichere Kurssteigerungen, werden die Gewinne in Sicherheit gebracht. In der Folge fällt der Kurs wieder zurück.

Solche Bewegungen aber sind nichts für unsichere Anleger. Kleinanleger brauchen klare Vorgaben. Wenn es die nicht gibt, verändert sich auch ihre Wahrnehmung. Gute Nachrichten werden nur noch sehr begrenzt zur Kenntnis genommen, schlechtere umso begieriger. Und davon gibt es derzeit genug. Schlechte Konjunkturdaten in Deutschland, Dividendenkürzungen bei den Banken und nun schon wieder ein Dämpfer bei Daimler-Chrysler. Die Gewinnwarnung war das Signal zum Verkauf - der Aktienkurs ging in den freien Fall.

Es wird lange dauern, bis sich diese Grundeinstellung der Anleger ändert. Und bis dahin kann man an der Börse schon froh sein, wenn die Pessimisten nicht bestätigt werden. Die sehen den Dax schon auf 4500 Punkte rutschen.

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