DIE KLIMAMANAGER (4) : ''Energieeffizienz sollte Volkssport werden''

Die Weichen für den Klimaschutz sind gestellt. Noch reicht unser Tempo aber nicht „Eine Revolution steht bevor: Das Elektroauto ist so gut wie startklar“.

Jürgen Großmann
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Foto: promo

Besucher aus fernen Ländern staunen über unseren ICE, den Kölner Dom oder das faszinierende Ökosystem Wattenmeer. Aber die wohl größte deutsche Sehenswürdigkeit besteht aus blauen, braunen, gelben und grünen Tonnen. Unser System der Mülltrennung ist weltweit einzigartig, ebenso wie die Akribie, mit der wir jeden Aludeckel vom Joghurtbecher ziehen. Inzwischen lernen Erstklässler die Feinheiten des Recyclings noch vor dem kleinen Einmaleins.

Unser Umgang mit dem Abfall weist auf ein interessantes Phänomen hin: Wir Deutschen begeistern uns für Umweltschutz. Öko ist Volkssport. Das ist gut so. Denn auf das Mülltrennen folgt nun die nächste Disziplin: Energieeffizienz.

Klimaschutz ist kein Thema nur für „die da oben“, für Industrie, Energiewirtschaft und Staatsmänner. Der Weltklimagipfel in Kopenhagen wird im Dezember zwar langfristig Weichen stellen; die USA bewegen sich; die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) wollen ebenfalls dabei sein. Das sind gute Vorzeichen, aber das Tempo reicht nicht, um die Kohlendioxidemissionen, wie international vereinbart, bis 2050 um 80 Prozent zu senken. Keine Frage: Wir Stromerzeuger müssen vorweggehen, durch den Ausbau von Biomasse, Wind- und Sonnenenergie, durch moderne Kraftwerke mit CCS-Technik, die Kohlendioxid auffängt und lagert. Hinzu kommen faszinierende Visionen wie Desertec, die Operation Wüstenstrom.

Doch Politiker und Industrie allein können die Welt nicht retten. Wir brauchen die Mithilfe jedes einzelnen Menschen. Denn Klimaschutz beginnt an der Steckdose in der Wohnung, an jedem Rechner und Fernseher, auf dem Weg zur Arbeit und im Sportverein. Jeder Deutsche produziert zehn Tonnen CO2 im Jahr. Wir wollen aber weltweit auf zwei Tonnen kommen, möglichst ohne Komfortverlust. Der einfachste Weg: Wir machen Energieeffizienz zum Volkssport, jeden Tag ein Stück mehr. Spaß machen darf der neue Volkssport natürlich auch.

Energieunternehmen wie RWE können dabei die Rolle eines Personal Trainers übernehmen, der Privatkunden, Firmen und Kommunen berät. Die neuen Volkssportler haben natürlich ein Recht auf klare Informationen über ihre erbrachten Leistungen. Smart-Meter – neue intelligente – Stromzähler, helfen dabei. Sie lösen den bisherigen schwarzen Kasten mit dem rotierenden Rädchen ab. Smart-Meter können anhand des Vorjahresverbrauchs ein Sparziel vorgeben. Eine kleine Ampel in der Wohnung informiert dann zu jeder Zeit, ob man gerade gut auf Kurs ist (grün), nahe dran (gelb) oder weiter weg (rot). Auch andere Varianten sind denkbar. In jedem Fall erhalten Smart-Meter den Komfort, optimieren aber den Verbrauch. Die neuen schlauen Stromzähler müssen flächendeckend und schnell kommen, bezahlbar für alle.

Es wäre allerdings ein Trugschluss, zu glauben, dass wir in Zukunft mit immer weniger Strom auskommen. Denn auf der Straße steht 120 Jahre nach der Erfindung des Automobils eine neue Revolution bevor: Das Elektroauto ist so gut wie startklar. Die Frage ist nicht mehr, ob es kommt, sondern wie schnell. In Berlin hat RWE mit Daimler eines der größten Pilotprojekte weltweit begonnen. Geplant sind 500 Ladepunkte, an denen die Autos sauberen Strom tanken.

Unsere Zukunft bietet uns vielfältige Chancen, immer besser zu werden, ohne die Freude am Leben zu vergessen. Effizienz ist eben nicht nur Pflicht, sondern auch Spaß, sich täglich neu auszuprobieren und immer besser zu werden. Ein neuer Volkssport eben.

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender von RWE, einem Mitglied der BDI-Initiative „Wirtschaft für Klimaschutz“ (www.wirtschaftfuerklimaschutz.eu).


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