Wirtschaft : Die Könige müssen warten

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Von Benedikt Voigt

Phil Jackson hat das siebte Spiel in der Umkleidekabine entschieden. Achtmal gewann der Trainer der Los Angeles Lakers bereits den Titel in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA, womöglich weiß er daher, was zu tun ist vor einem entscheidenden Spiel in der Finalserie der Western Conference. Vielleicht aber war es auch nur sein Hang zu buddhistischen Gepflogenheiten, weshalb er seine Mannschaft im Abschlusstraining 15 Minuten lang in den Katakomben der Arco Arena meditieren ließ. Alle, auch die beiden Stars Kobe Bryant und Shaquille O’Neal, mussten sich der Viertelstunde der Besinnung anschließen. „Die Kings waren lange Zeit das bessere Team, sie hatten den Sieg verdient“, sagte Jackson, „doch unser Zusammenkommen am Morgen hat sich gelohnt - wir waren im richtigen Moment mental unschlagbar.“

Das gab den Ausschlag beim 112:106-Erfolg nach Verlängerung der Los Angeles Lakers bei den Sacramento Kings. Mit 4:3 Siegen gewann nicht unbedingt die bessere Mannschaft eine dramatische Serie, die als das vorweggenommene Finale bezeichnet werden kann. Zwar müssen die Lakers ihren dritten NBA-Titel in Serie erst ab Mittwoch im wirklichen Finale gegen die New Jersey Nets holen. Doch nur die wenigsten zweifeln, dass ihnen das auch gelingt. Bei den Buchmachern ist Jacksons Mannschaft 9:1-Favorit. Die Erfahrung der Lakers dürfte auch im Finale den Ausschlag geben.

Mit Spannung und Dramatik kam auch die Nervosität über die Sacramento Kings. Im siebten Spiel trafen sie nur noch 53 Prozent aller Freiwürfe. Hätte die beste Mannschaft der regulären Saison nur einen Freiwurf mehr getroffen, die Kings hätten das Spiel vor der Verlängerung für sich entschieden. Bei Würfen hinter der Dreipunktelinie sah es noch schlechter aus: Nur bei zwei von 20 Würfen fiel der Ball in den Korb. Schließlich leisteten sich die Kings in den letzten 90 Sekunden der Verlängerung auch noch drei Fehlwürfe und zwei Ballverluste. In der entscheidenden Spielphase übernahm nur Aufbauspieler Mike Bibby Verantwortung. 14 seiner 29 Punkte erzielte er in den letzten drei Minuten des Spiels und der Verlängerung. Doch seine Teamkollegen ließen ihn im Stich. Bezeichnend waren die Dreipunktewürfe von Predrag Stojakovic und Doug Christie in der Schlussphase, die nicht einmal an den Ring prallten. „Das tut uns richtig weh“, sagte Bibby, „wir hätten die Serie gewinnen können - aber wir werden noch ein paar Jahre wie dieses haben.“ Die Kings spielten in dieser Saison den schönsten Teambasketball. „Ich kann gar nicht sagen, wie stolz ich auf diese Gruppe bin“, sagte Sacramentos Trainer Rick Adelman. „Ich denke unsere Zeit kommt ein anderes Mal.“

Die Gegenwart aber gehört immer noch den Lakers, die in der regulären Saison im Westen nur auf Rang drei gelandet waren. Die Play-offs befeuern Kobe Bryant (30 Punkte, sieben Assists) und Shaquille O’Neal (35 Punkte, 13 Rebounds) offensichtlich zu besonderen Leistungen. Wenn es wichtig wird, verwandelt der sonst so freiwurfschwache Centerspieler der Lakers plötzlich 73 Prozent seiner Freiwürfe. O’ Neal sagte über die Kings: „Sie haben in der gesamten Saison gegen uns gut gespielt, sie haben auch in der Serie gegen uns gut gespielt, sie dachten, dass sie dran wären - aber sie waren es nicht.“

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