Wirtschaft : Die Konkurrenz reagiert gelassen

FRANKFURT (MAIN)/BERLIN (ro/hej).Die bislang größte Fusion im deutschen Bankgewerbe hat die Kollegen an der Spree nicht überrascht: "Es war damit zu rechnen", sagt Christiane Stachowski, Analystin bei der Bankgesellschaft Berlin.In Deutschland aber auch in Europa gehe der Trend im Bankgewerbe zu Zusammenschlüssen.Auch die Berliner Bankgesellen läßt das nicht unberührt: Man könne sich "vorstellen", mit der Norddeutschen Landesbank und anderen Instituten zusammenzugehen, heißt es. Auch in Frankfurt reagiert die Bankenszene gelassen auf die neue Münchner Großbank."Als Aktionär sehen wir die Entwicklung mit Wohlwollen", meint Roland Weichert, Pressesprecher der Deutschen Bank, die seit einem Jahr gut fünf Prozent an der Bayerischen Vereinsbank hält.Bei der Dresdner Bank begrüßt Pressesprecher Volkmar Kübler den Zusammenschluß als "wichtigen Schritt auf dem Wege der Restrukturierung des deutschen Bankenmarktes".Die neue Großbank in München sei positiv für den gesamten Finanzplatz Deutschland.Der Wettbewerb werde dadurch allerdings noch härter. Die Dresdner Bank ist aus zwei Gründen besonders betroffen: Durch die neue Münchner Großbank verliert sie ihre Position als Nummer zwei unter den deutschen Großbanken.Zum anderen mischt auch bei ihr wie bei der Hypobank die Allianz mit 22 Prozent mit.Die Entwicklung laufe nicht dem strategischen Konzept zuwider, das die Dresdner Bank mit ihrem "Kooperationspartner" Allianz diskutiere und weiter vorantreibe. Aus der Position eines Unbeteiligten kommentiert die Commerzbank die Geschehnisse als "eine sehr bayerische Lösung".Wie Pressesprecher Dieter Schütz betont, schiebe sich die neue Bank zwar gewaltig nach vorne - deutlich vor die Commerzbank - aber um eine starke Konkurrenz zu sein, müßten Vereinsbank und Hypobank noch viele Hausaufgaben erledigen und zwei unterschiedliche Kulturen zusammenführen."Die sind jetzt erst mal mit sich selbst beschäftigt, da fließt noch viel Wasser die Isar hinunter", sagt Schütz. Auch die Auswirkungen der Mammutfusion auf den Finanzplatz Frankfurt dürften sich in Grenzen halten, obwohl München als Banken- und Geldstadt natürlich aufgewertet wird.Daß Geschäfte an der Frankfurter Börse wegfallen oder nach München verlagert werden, ist mehr als unwahrscheinlich, zumal beide Banken schon seit Jahren mit bedeutenden Ablegern in Frankfurt vertreten sind.Am Main steht schließlich die größte deutsche Börse mit hoher internationaler Bedeutung."Der Verlagerungseffekt wäre nur von Gewicht, wenn ein Institut entstünde, das international stark wäre", so Schütz.Die Stärke der beiden Münchener Banken liege neben dem Hypothekengeschäft aber vor allem in den Regionen Bayern und in der linksrheinischen Pfalz.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben