Wirtschaft : Die Konzerne haben das nötige Geld selten flüssig - Leidtragende sind die Aktionäre

hej

Auch Ron Sommer geht mit der Zeit. Der Telekom-Chef rüstet sich für weitere Übernahmekämpfe in der Branche. Der geplante Börsengang der Töchter T-Mobil und T-Online soll dem Telefonriesen nicht nur Bares in die Kasse bringen, sondern der Telekom vor allem eines verschaffen - "Akquisitionswährung". Denn immer mehr Fusionen laufen nicht über das Angebot Aktien gegen Bares, sondern über einen Tausch der Anteilscheine. Jüngstes Beispiel: das Übernahmegerangel um Mannesmann. Mehr als 200 Milliarden Mark will der weltgrößte Mobilfunkanbieter Vodafone-Airtouch für den deutschen Konzern ausgeben - Geld, das Vodafone keinesfalls flüssig hat. Auch die Banken scheuen angesichts solcher Dimensionen vor Krediten zurück. Für expansionsfreudige Konzerne wie Vodafone bleibt daher nur ein Weg: der Aktientausch. Bisher im Gespräch: 43,7 Vodafone- für eine Mannesmann-Aktie, Nachbesserung am heutigen Freitag nicht ausgeschlossen.

Das hat auch Auswirkungen auf die Preise. Weil mit eigenen Aktien statt mit Cash gehandelt wird, "sitzen die Milliarden locker", sagt Michael Schubert, Leiter der Abteilung Aktienstrategie bei der Bankgesellschaft. Wer mit "Cyber-Money" bezahlt, kann leicht großzügig sein. Das Nachsehen haben die Aktionäre. Denn statt aus dem Deal Kapital zu schlagen, werden sie mit Aktien des Käufers abgespeist - und tragen über mögliche Kursverluste das Risiko mit, dass die Fusion ein Flop wird. "Die Mannesmann-Kleinaktionäre sind von einem Aktientausch nicht begeistert", sagt Anneliese Hieke von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Bares wäre ihnen lieber.

Doch die Wahl haben Aktionäre nur selten. Je schneller sich die Fusionsspirale dreht, je teurer die Übernahmen werden, desto häufiger können die Käufer nur in einer Währung zahlen: eigenen Aktien. Kein Wunder also, dass die Unternehmen fieberhaft an Börsengängen und Kapitalerhöhungen arbeiten. Auch hierzulande. Denn nach dem deutschen Aktienrecht dürfen Aktiengesellschaften höchstens zehn Prozent des Aktienbestandes in ihren eigenen Reihen halten. Wer Großes vor hat, muss also rechtzeitig dafür sorgen, dass sich die Zahl der Aktien entsprechend vermehrt.

Aktionärsvertreter sehen dieses mit Skepsis. "60 Prozent der Fusionen scheitern", sagt Anneliese Hieke, bei feindlichen übernahmen liege die Zahl der Misserfolge noch viel höher. Kurseinbußen seien da programmiert. Doch ein Trost bleibt den Aktionären. Kein Unternehmen kann sie dazu zwingen, sich auf das Übernahme-Abenteuer einzulassen. Hieke: "Ob die Anteilseigner dem Aktientausch zustimmen oder nicht, ist ganz allein ihre Sache".

0 Kommentare

Neuester Kommentar