Wirtschaft : „Die Konzerne pressen ihre Zulieferer aus“ IG Metall und IG BCE plädieren für Fairness

Berlin - Der wachsende Preisdruck auf deutsche Automobilzulieferer führt zu einem Investitionsstau und blockiert notwendige Innovationen. Mit dieser Warnung appellierten die Gewerkschaften IG Metall und IG Bergbau Chemie Energie (IG BCE) am Donnerstag gemeinsam an die Autohersteller, zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zurückzukehren. „Hier wird Marktmacht zur Erpressung eingesetzt“, sagte der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, auf einer Konferenz mit der IG BCE am Donnerstag in Berlin. Ein massive Überwälzung von Kosten auf Zulieferer gefährde langfristig die Gesamtqualität, was sich auch an Rückrufaktionen zeige. „Lassen Sie uns eine gemeinsame Initiative starten. Wir wollen die Innovationsführerschaft ausbauen“, sagte Huber. Damit Zulieferer Wachstumschancen nutzen könnten, müsse „Ausplünderungen“ durch Finanzinvestoren ein Riegel vorgeschoben werden. Rund eine Million Menschen arbeiten nach Gewerkschaftsangaben in der deutschen Automobil-Zulieferindustrie. Das sind fast dreimal mehr als in der Endherstellung.

Huber nannte es ein Alarmzeichen, dass 2006 erstmals seit langem auch die Beschäftigtenzahl bei Autozulieferern leicht zurückgegangen sei. Zur Stärkung der oft kleinen und mittelgroßen Unternehmen sei es auch notwendig, ihre Finanzierungsgrundlagen zu verbessern. Die Bildung von Eigenkapital müsse steuerlich gefördert werden. Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz von Fahrzeugen seien bei Herstellern wie Zulieferern noch nicht ausgeschöpft.

Unter dem Preisdruck auf die Zulieferer leiden vor allem kleine Firmen. „Pauschal kann gesagt werden, umso kleiner das Unternehmen – umso kritischer die Situation“, sagte Michael Vassiliadis, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE. Nur die Großen der Branche seien noch in der Lage, die immer neuen Preissenkungsforderungen der Hersteller zu verkraften. Da die meisten Ausstattungsverbesserungen der Fahrzeuge von Zulieferern hergestellt würden, sei die Umsatzdynamik der Automobilzulieferer hoch. Auskömmliche Margen würden aber nur von den größeren Anbietern erzielt.

Zudem stehe die Branche vor der Notwendigkeit, in der globalisierten Industrie den Anschluss nicht zu verpassen. Vor allem in Ländern wie Indien und China werde die Autoindustrie große Wachstumspotenziale entwickeln. Der Globalisierungsprozess sei in der Industrie schon sehr weit vorangeschritten, „die Zulieferer müssen gewollt oder ungewollt folgen“, sagte Vassiliadis. mot/dpa

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