Wirtschaft : Die Kosten des Unternehmens

1936 wurde die einheitliche Gewerbesteuer eingeführt

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Als die Nationalsozialisten im Jahr 1936 die einheitliche Gewerbesteuer einführten, ließen sie sich von der Überlegung leiten, dass Unternehmen die Städte und Gemeinden Geld kosten: Wenn etwa Straßen gebaut, Gewerbegelände erschlossen, Straßenbeleuchtung oder Wasser geliefert werden müssen. Für diese Lasten sollten die Firmen bezahlen – und weil Betriebe sie in guten und in schlechten Zeiten in Anspruch nehmen, wurde die Gewerbesteuer als Realsteuer konzipiert. Das heißt, dass Gewerbetreibende sie im Prinzip immer bezahlen mussten – unabhängig davon, ob im Betrieb gerade Geld verdient wurde oder nicht.

Anfangs war die Bemessungsgrundlage für die Steuer eine Mixtur aus Gewinn, Schuldzinsen und Löhnen, die in einer Betriebsstätte bezahlt wurden. Nach und nach erkannte man, dass es ziemlich unsinnig ist, Unternehmen zu besteuern, die keinerlei Gewinn machen. Deshalb wurde zuerst die Lohnsummensteuer abgeschafft, dann das Gewerbekapital aus der Bemessung herausgenommen und schließlich auch ein Teil der Dauerschulden nicht mehr herangezogen. So wurde aus der Realsteuer eine verkappte Gewinnsteuer, die sich auf den Gewerbeertrag stützte. Der Vorteil: Sind die Zeiten schlecht, werden die Unternehmen nicht noch zusätzlich belastet. Der Nachteil: Genau dann, wenn die Gemeinden Geld brauchen, weil zum Beispiel die Zahl der Sozialhilfeempfänger steigt, versiegt ihre Haupteinnahmequelle. Deshalb versuchen alle Gewerbesteuerreformkonzepte, den Geldzufluss konjunkturunabhängiger zu machen.

Damit die Kommunen selbst steuern können, dürfen sie einen Hebesatz auf die Gewerbesteuer anwenden, der in der Regel zwischen 50 und 500 Prozent liegt. Kremmen etwa, an der Autobahn A 24 im Brandenburgischen, hat einen Hebesatz von konkurrenzlos niedrigen 50 Prozent, das zwanzig Kilometer entfernte Berlin dagegen einen von 410 Prozent. In Potsdam beträgt der Hebesatz 450 Prozent. uwe

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