Die Kostentreiber : SONNE

Kevin P. Hoffmann

„Das Bundeskabinett will Solarstromerzeuger bestrafen“, lautete das Urteil des BSW Solar, des Branchenverbandes der angeschlagenen heimischen Solarindustrie, zum Kabinettsentschluss. Derart scharfe Thesen hörte man regelmäßig in vergangenen Jahren anlässlich geplanter Reformen des EEG. Die bezogen sich aber stets auf Pläne, die Einspeisevergütung für Solarstromerzeuger zu kürzen, die rund 4,5 Prozent der gesamten Strommenge in Deutschland erzeugen. Diese Schlacht hat die Branche aber längst verloren: Solarstromerzeuger wurden bereits von der alten Bundesregierung in einen Fördermechanismus gezwängt, bei dem die Fördersätze automatisch sinken, sobald die Gesamtnennleistung der neu installierten Solarmodule in Deutschland einen Schwellenwert (3,5 Gigawatt) im Jahr überschreitet („atmender Deckel“). Das Förderprinzip hat gewirkt: 2013 wurden tatsächlich Fotovoltaikanlagen mit insgesamt „nur“ 3,3 Gigawatt Nennleistung (also Leistung bei bestem Standort und Sonnenstand) installiert. In den Jahren zuvor waren bis zu acht Gigawatt neu installiert worden, was die Fotovoltaik in den Ruf brachte, Kostentreiber der Energiewende zu sein: 8,5 Milliarden Euro mussten deutsche Stromkunden 2013 mit ihrer Rechnung zahlen, um die PV-Anlagenbetreiber zu fördern. Zum Vergleich: Die Windparkbetreiber an Land und zur See kassierten gemeinsam nur rund drei Milliarden. Die These, die Koalition wolle Solarstromerzeuger „bestrafen“, bezieht sich auf den Plan, nun auch jene an den Kosten der Energiewende zu beteiligen, die bisher ihren erzeugten Strom auch selbst nutzen: Das sind einige Industriebetriebe. Aber eben auch Solaranlagenbesitzer, die die Verteilungsnetze stark belasten. Der Bundesregierung fällt es politisch relativ leicht, bei der Solarenergie zu sparen, weil asiatische Modulhersteller den Markt mehr denn je dominieren. Die meisten deutschen Firmen sind pleite.

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